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Wie wichtig ein guter Arzt ist

Gerade wenn Du Morbus Basedow hast, ist ein guter Arzt/eine gute Ärztin pures Gold wert.

Mich hat ein solcher nicht nur vor einer OP bewahrt, sondern auch den Anstoß gegeben, den Alltagsstress ernsthaft zu reduzieren.

Viel macht es – gerade in unserer Lage mit dem Basedow – auch aus, dass man sich ernstgenommen und in guten Händen fühlt. Man kann gar nicht genug schätzen, was das auch mental ausmacht. Da gerade der Basedow zu großen Teilen eine seelische Angelegenheit ist, ist dieser Punkt umso wichtiger.

Das Wissen, einen guten Arzt zu haben, bringt Ruhe und Sicherheit im Kopf. Mir hilft es total dabei, den Basedow zu beruhigen.

Ich selbst habe Glück – doch nach allem, was ich so gehört habe, ist das bei Weitem nicht immer so.

So sollte es sein – Der Hausarzt

Als ich damals mit meinen Symptomen zu meiner Hausärztin gegangen bin und buchstäblich keine Ahnung hatte, was mit mir los war, hat sie direkt richtig reagiert.

Damit meine ich in allererster Linie: Das Ernstnehmen der Symptome.

Klar, das Herzrasen war eindeutig beunruhigend, aber es kamen ja noch andere Sachen wie meine offensichtliche Nervosität, Anspannung und (unterdrückte) Panik hinzu. Es ist nicht immer selbstverständlich, dass der Arzt dies als pathologisch auffasst! Gern wird ein solches Verhalten darauf geschoben, dass der Patient sich in der Umgebung der Praxis nicht wohlfühlt.

Zweitens: Umfangreiche Untersuchungen. Dazu gehört beispielsweise ein großes Blutbild. Meine Ärztin hat nichts dem Zufall überlassen und obendrein noch Urinproben und ein EKG durchgeführt.

Drittens (da ist sie vermutlich aber wirklich eine Ausnahme): Benachrichtigung über die Testergebnisse noch am selben Tag.

In meinem Fall kann man fast schon von “Nacht” sprechen, denn sie hat mich noch abends gegen 21:00 Uhr angerufen, nachdem sie von einer Weiterbildung zurück war. Danke, Frau Doktor!

Viertens: Die Überweisung an einen Spezialisten. Das machen fast alle, mir sind aber auch Fälle bekannt, in denen der Hausarzt selbst den Basedow behandelt. Wenn er darin wirklich Expertise hat, geht das sicherlich – da will ich niemandem reinreden. Ich selbst würde mich in den Händen eines Spezialisten aber sicherer fühlen.

Übrigens: Als mein Endokrinologe im Urlaub und meine Hausärztin für die Einstellung der Medikamente zuständig war, hat sie sich dafür sogar telefonisch Rat bei einem anderen Spezialisten eingeholt. Klasse!

Fünftens: Regelmäßige Überwachung der Blutwerte, zumindest am Anfang.

Mittlerweile habe ich schon häufiger gehört, dass bei manch einem selbst in der Anfangsphase des Basedow nur alle drei Wochen eine Blutuntersuchung durchgeführt wird.

Meiner Meinung nach reicht das bei Weitem nicht! Mein Körper reagierte auf die Medikamente sehr stark, im Positiven wie im Negativen. Das Medikament musste zügig gewechselt bzw. später die Dosis angepasst werden.

Dazu musste ich spätestens alle 14 Tage zum Bluttest, am Anfang sogar alle 7 bis 10 Tage! Vielen Basedowlern geht es da genauso wie mir. Ich will mir gar nicht vorstellen was passiert wäre, wenn diese Zeit doppelt so lang gewesen wäre.

So sollte es nicht sein – Der Hausarzt

Häufig hört man von Fällen, in denen Hausärzte mit der Situation “Basedow” überfordert sind. Das ist okay – es ist ja schließlich nicht ihr Spezialgebiet. Solange dein Hausarzt dich schnell an einen Spezialisten überweist, sehe ich hier kein Problem.

Problematisch wird es, wenn Du mit deinen Symptomen nicht ernst genommen wirst.

Soll es ebenfalls geben, wobei ich hoffe, dass dies die Minderheit der Fälle ist.

Hierzu habe ich eine kleine Anekdote:

Über mehrere Ecken kenne ich eine “frische” Hausärztin, neu aus dem Studium und ein paar Monate im praktischen Einsatz. Als die davon hörte, dass ich Morbus Basedow habe und es mir damit so schlecht ging, dass ich kaum etwas machen konnte (und es ging mir weiß Gott ultradreckig. Du weißt ja, wie man sich fühlt.), hieß es allen Ernstes: “Ja, und? Ich habe auch (!!!) was mit der Schilddrüse, ich nehme Tabletten und gut. Sie soll sich nicht so anstellen.”

Die Dame hat eine leichte Schilddrüsenunterfunktion, wohlgemerkt. Darüber habe ich mich wahnsinnig aufgeregt. Ich konnte einfach nicht fassen, dass so jemand Patienten behandeln darf. Nun weiß ich letztlich nicht, ob sie da vielleicht irgendetwas in den falschen Hals bekommen hat. Aber ich glaube es ehrlich gesagt nicht …

Falls Du jemals an so einen Doc gerätst, such Dir bitte bitte einen anderen! Ich bin überzeugt, solche Ärzte bilden die absolute Minderheit, aber es scheint sie zu geben. In diesem Fall, sei vorsichtig und lass Dir nicht einreden, Du würdest überreagieren oder Dir irgendwas einbilden. Denn so ist es nicht, und Du selbst weißt das am allerbesten!

So sollte es sein – Der Spezialist

Ich kann hier nur mit Erfahrungen zu meinem Endokrinologen dienen, weiß aber auch, dass viele zum Nuklearmediziner – gern auch “Nuk” genannt – gehen.

Auch hier habe ich wieder Glück, denn mein Endokrinologe:

  • hatte zügig einen Termin für mich (vermutlich auch den mehr oder weniger drastischen Blutwerten geschuldet)
  • nahm sich viel Zeit
  • hat alle meine Fragen geduldig beantwortet
  • hat einen Ultraschall meiner Schilddrüse gemacht und mir erklärt, was ich da sehe
  • hat zunächst eine medikamentöse Therapie vorgeschlagen (Was mir sehr wichtig war. Ich hatte wahnsinnige Angst vor einer OP)

Dies alles sind wohl Punkte, die für 99,9 % aller Spezialisten selbstverständlich sind. Was meinen Endokrinologen in meinen Augen aber besonders auszeichnet, sind zwei Punkte:

  • weitreichendere Kenntnis zu möglichen Medikationen (die Verabreichung von Irenat) und …
  • der eindringliche Appell, sich keinem Stress mehr auszusetzen und etwas zurückzutreten

Für das Irenat werde ich ihm ewig dankbar sein. Nachdem Thiamazol und Propycil meine Leber schädigten und ich mich innerlich schon auf die OP vorbereiten musste, schlug er das als letzten Ausweg vor. Ein Medikament, das eigentlich so gut wie gar nicht mehr gegeben wird – aber er wusste noch davon. Und wenn ich mich so umhöre, ist das keine Selbstverständlichkeit.

Zudem: Wirklich auch von einem Fachmann zu hören, dass Stress tatsächlich ein potenter Auslöser für eine Krankheit sein kann, ist einfach nochmal was anderes.

Oder?

Vielleicht bin ich da mega altmodisch, aber das Wort eines anerkannten Mediziners hat für mich nochmal ein besonderes Gewicht. Sonst wird Stress als Krankheitsfaktor ja gern mal belächelt.

So sollte es nicht sein – Der Spezialist

Hier gelten prinzipiell die gleichen Worte, die ich zum Hausarzt gesagt habe. Persönlich wäre ich zumindest auch vorsichtig, wenn der Facharzt direkt zur definitiven Therapie rät, statt erst eine medikamentöse Behandlung in Betracht zu ziehen.

Achtung! Es gibt sehr wohl Fälle, in denen eine definitive Therapie wie zum Beispiel eine OP, wichtig und angebracht ist. Beispielsweise, wenn die Symptome so stark sind, dass keine Zeit mehr bleibt. Oder eventuell auch, wenn Du dich im Rezidiv (Rückfall) befindest. Es gibt die unterschiedlichsten Gründe! Im Zweifelsfall hat natürlich das Wort des Mediziners Vorrang.

Wenn die Zeit allerdings (noch) nicht drängt, keine akute Gefahr besteht und/oder Du dir sicher bist, dass du keine OP oder Radiojodtherapie möchtest: Hol‘ dir eine Zweitmeinung ein.

Noch eine Schlussbemerkung:

Wenn Du dich mit deiner Behandlung nicht wohlfühlst oder Zweifel hast, hole dir am besten eine Zweitmeinung ein.

Scheue dich nicht davor, es geht um deine Gesundheit!

Jeder Doc hat anderes Expertenwissen, andere Erfahrungen, andere Weiterbildungen. Einen guten Arzt zu ergattern, benötigt sicher auch eine Portion Glück.

Dem kann man aber auch auf die Sprünge helfen, finde ich 🙂

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Bitte beachte: Ich bin keine Ärztin, Heilpraktikerin oder dergleichen, also kein Fachmensch. Alle meine Beiträge basieren auf meinen eigenen Erfahrungswerten und über die Zeit gesammeltem Wissen.

Published inBehandlung

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