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Warum der TSH völlig überbewertet ist

… und welche Werte die meiner Meinung nach wirklich wichtigen sind! Darum geht es in meinem heutigen Beitrag. Du fragst dich vielleicht, ob ich übergeschnappt bin. Dann gehörst Du bestimmt zu den vielen Betroffenen, deren Arzt zur Behandlung nur auf den TSH schaut3. Du willst wissen, warum das in meinen Augen nicht zeitgemäß und der falsche Weg ist? Sehr gern! 🙂

Der TSH ist kein „Schilddrüsenwert“

Zumindest nicht im engeren Sinne.

Er wird nämlich nicht von der Schilddrüse gebildet, wie man vielleicht meinen könnte. Sondern von der Hypophyse (Hirnanhangdrüse), um die Bildung der „echten“ Schilddrüsenhormone – T3 und T4 – zu regulieren1. Wie macht der TSH das? Er richtet sich nach der Konzentration der Schilddrüsenhormone im Blut.

  • viel T3 bzw. T4 = wenig TSH (niedriger TSH-Wert), um der Schilddrüse zu signalisieren: „Nun ist’s genug!“
  • wenig T3 bzw. T4 = viel TSH (hoher TSH-Wert), heißt: „Liebe Schilddrüse, wir brauchen mehr Hormone. Produzier‘ mal bitte!“

Logisch, oder?

Deshalb gilt der TSH noch heute als der Leitwert, um eine Schilddrüsenunterfunktion (wenig Hormone, viel TSH) oder -überfunktion (viele Hormone, wenig TSH) zu diagnostizieren2. Hat doch alles Hand und Fuß. Aber Du ahnst es, es gibt dabei ein Problem.

Der TSH ist nicht zuverlässig!

Und zwar, weil er durch eine Vielzahl anderer Faktoren entgleisen kann3! In diesem Fall ist ein abnormaler TSH-Wert nicht in einer Funktionsstörung der Schilddrüse begründet. Er ist dann außerhalb der Norm, obwohl es deiner Schilddrüse gut geht.

Störungen anderer Organe als der Schilddrüse

Besonders naheliegend ist eine Funktionsstörung der Hypophyse selbst, sodass sie zu wenig – oder auch zu viel – TSH produziert4. Das könnte zum Beispiel der Fall sein, wenn Du am Gehirn operiert wurdest oder bereits eine Strahlentherapie gemeistert hast. Auch eine Funktionsstörung des Hypothalamus – sozusagen der Vorarbeiter der Hypophyse – wäre für mich denkbar.

Medikamente

Ohja. Es gibt Medikamente, die den TSH als Nebenwirkung in die Höhe treiben können3. Dazu gehören Schmerzmittel wie Cortison und Aspirin! Aber auch Morphin sowie Heparin als Gerinnungshemmer und Dopamin. Auch zu viel Jod kann der Übeltäter sein!5

Ein sehr offensichtliches Medikament, das dich vor allem dann interessiert, wenn Du an der Basedow-Hashimoto-Mischform leidest: L-Thyroxin. Dies ist nämlich ein künstliches Schilddrüsenhormon, das bei Hashimoto eingenommen wird. Wenn Du davon zu viel nimmst, ist logischerweise die Hormonkonzentration im Blut erhöht und der TSH erniedrigt!6

Erkrankungen

Auch Erkrankungen, wie schwere Infektionen, können den TSH beeinflussen7. Hier muss ich richtigerweise dazu anmerken, dass gerade von chronischen, aber auch akuten Erkrankungen auch die freien Hormone T3 und T4 betroffen sein können8. Allerdings habe ich gehört, dass der TSH in dieser Hinsicht anfälliger sein soll.

Also: Wenn Du eine Erkältung etc. ausbrütest oder ausgebrütet hast, darfst Du mit Schilddrüsenwerten außerhalb des Normbereiches zumindest rechnen. Wenn Du deinem Arzt davon erzählst ist es gut möglich, dass er Dir empfiehlt, deine Blutuntersuchung auf einen anderen Zeitpunkt zu legen.

Auch die Tageszeit hat übrigens einen Einfluss5. Der TSH ist morgens im Allgemeinen niedriger als abends.

Der Vollständigkeit halber möchte ich an dieser Stelle sagen, dass auch nicht immer der Morbus Basedow schuld an einem schilddrüsenbedingten, niedrigen TSH-Wert sein muss. In Betracht kämen:

  • autonome Knoten in der Schilddrüse (Bereiche, die sich der Kontrolle der Hypophyse entzogen haben und fröhlich Hormone produzieren, wie es ihnen gefällt)9
  • ein früher Zustand des Hashimoto!10

Wer am Anfang eines Hashimoto eine vorübergehende Überfunktion hat, muss nicht zwingend an einer Mischform mit dem Basedow leiden. Häufiger handelt es sich um eine vorläufige Reaktion auf die Zerstörung des Schilddrüsengewebes durch den Hashimoto, auch Hashitoxikose genannt. Sehr schön erklärt hier.

Hashimoto oder Basedow? – Basedow und Ich

Der TSH hinkt nach

Wenn Du bereits mit deinem Basedow in Behandlung bist – also Medikamente einnimmst – ist es gut möglich, dass deine freien Werte bereits prima sind, der TSH aber immer noch viel zu niedrig. So war es bei mir, und zwar eine ganze Weile! Denn der TSH braucht sehr lange, um sich wieder einzurenken.

Es benötigt oft erst einmal eine lange Zeit mit vernünftiger Konzentration an freien Hormonen im Blut, bis der TSH wieder ansteigt. Gut zu wissen!11

Sonderfall „latente Hyperthyreose“

Das ist etwas ganz Ulkiges und sehr interessant. Wie Du schon ahnst, ist es „nichts Halbes und nichts Ganzes.“

Bei einer latenten Hyperthyreose – also einer latenten Schilddrüsenüberfunktion – ist die Schilddrüse fleißig genug, dass der TSH unterdrückt wird. Aber irgendwie reichen ihre Anstrengungen nicht aus, um auch die freien Hormone T3 und T4 so richtig zu erhöhen. Sie bleibt quasi auf der Schwelle stehen.12

Das bedeutet, in diesem Fall hast Du eine ganz normale Schilddrüsenhormonkonzentration im Blut und bist quickfidel, obwohl der TSH erniedrigt ist!

Ärzte, die ausschließlich nach dem TSH gehen, könnten Dir jetzt – in der Annahme, Du hättest eine echte Überfunktion – Schilddrüsenblocker geben. Und das, obwohl die freien Werte in Ordnung sind! Die Folge könnte dann eine Unterfunktion sein, die man ganz sicher auch nicht haben will.

Anmerkung! Im Allgemeinen wird die latente Schilddrüsenüberfunktion nicht behandelt. Es gibt aber Experten wie Prof. Schatz (Mediensprecher der deutschen Gesellschaft für Endokrinologie), die eine Behandlung empfehlen.13

Die Alternative: T3 und T4

Hinweis: Die folgenden Zeilen stellen meine persönliche Meinung dar.

Ich selbst schenke dem TSH nur sehr wenig Aufmerksamkeit, da er – wie Du siehst – deutlich störanfälliger und weniger aussagekräftig ist als die freien Hormone. Zwar kann er ein guter erster Anhaltspunkt sein, jedoch kann er in meinen Augen – und denen anderer Menschen/Quellen3 – nicht als alleiniger Referenzwert ausreichen.

Viel geeigneter sind meiner Meinung nach die freien Hormone T3 und T4. Denn diese werden direkt von der Schilddrüse gebildet und liefern ein direktes Bild davon, wie viele körperlich wirksame Hormone tatsächlich gerade im Blut herumgeistern! So kann beispielsweise die Hormonkonzentration bereits superduper sein, während der TSH immer noch im niedrigen Bereich herumschwimmt (siehe oben). Mal ganz abgesehen von den vielen anderen Faktoren, die diesen beeinflussen können.

Daher lasse ich immer auch die freien Werte T3 und T4 prüfen! Die „echten“ Schilddrüsenhormone 😉

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Bitte beachte: Ich bin keine Ärztin, Heilpraktikerin oder dergleichen, also kein Fachmensch. Alle meine Beiträge basieren auf meinen eigenen Erfahrungswerten und über die Zeit gesammeltem Wissen.

  1. Vgl. Zieren, Prof.Dr.med. Hans Udo: „Hormone und Hormonproduktion der Schilddrüse“ unter https://www.deutsches-schilddruesenzentrum.de/wissenswertes/funktion-der-schilddruese/hormone-und-hormonproduktion-der-schilddruese/ (abgerufen am 22.04.2022)
  2. Vgl. Nickel, Franziska: „Schilddrüsenwerte“ unter https://www.praktischarzt.de/untersuchungen/blutuntersuchung/schilddruesenwerte/#:~:text=Der%20TSH%2DWert%20(auch%20Thyreotropin,ausgesch%C3%BCttet%2C%20um%20die%20Schilddr%C3%BCse%20anzuregen. (abgerufen am 22.04.2022)
  3. Vgl. Ayed, Michael: „Mythos TSH: Ein Blutwert, der bis heute stark überbewertet wird“ unter https://www.hashimoto-info.de/tsh-wert-bei-hashimoto.html (abgerufen am 22.04.2022)
  4. Vgl. „Thyroeidea-stimulierendes Hormon (TSH) unter https://www.gesundheit.gv.at/labor/laborwerte/hormone-tumormarker/tsh (abgerufen am 22.04.2022)
  5. Vgl. Nickel, Franziska: „TSH-Wert“ unter https://www.praktischarzt.de/untersuchungen/blutuntersuchung/schilddruesenwerte/tsh-wert/ (abgerufen am 22.04.2022)
  6. Vgl. Feldkamp, Dr. med Joachim: „Hohes TSH unter L-Thyroxin“ unter https://www.doctors.today/home/a/hohes-tsh-unter-l-thyroxin-woran-kann-s-liegen-1883396#:~:text=Eine%20TSH%2DErh%C3%B6hung%20unter%20Einnahme,L%2DThyroxin%2D%20Aufnahme%20behindern. (abgerufen am 22.04.2022)
  7. Vgl. Seifert, Dr. med Vera: „Niedriges TSH – Was kann dahinter stecken?“ unter https://www.doctors.today/a/was-kann-dahinterstecken-1664632 (abgerufen am 22.04.2022)
  8. Vgl. Hershman, Jerome M.: „Low-T3-/Low-T4-Syndrom“ unter https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/endokrine-und-metabolische-krankheiten/schilddr%C3%BCsenerkrankungen/low-t-3-low-t4-syndrom (abgerufen am 22.04.2022)
  9. Vgl. „Schilddrüsenknoten“ unter https://www.endokrinologie.net/krankheiten-schilddruese-knoten.php (abgerufen am 22.04.2022)
  10. Vgl. Weissel, M.: „Der Schilddrüsenfall: Auftreten eines Morbus Basedow bei chronischer Autoimmunthyreoiditis (Hashimoto-Thyreoiditis)“ unter https://www.kup.at/kup/pdf/13243.pdf (abgerufen am 22.04.2022)
  11. Vgl. Dietrich, PD Dr. med. Johannes W.: „Revolution in der Schilddrüsendiagnostik: Ein Kommentar aus systembiologischer Sicht“ unter https://blog.endokrinologie.net/revolution-in-der-schilddruesendiagnostik-4521/ (abgerufen am 22.04.2022)
  12. Vgl. „Schilddrüsenüberfunktion“ unter https://www.endokrinologie.net/krankheiten-schilddruese-ueberfunktion.php#:~:text=Eine%20beginnende%20%C3%9Cberfunktion%20(auch%20latente,aber%20noch%20im%20Normalbereich%20liegen. (abgerufen am 22.04.2022)
  13. Vgl. „Auch leichte Überfunktion behandeln“ unter https://www.medica.de/de/News/Archiv/Auch_leichte_%C3%9Cberfunktion_behandeln (abgerufen am 22.04.2022)
Published inBehandlungFakten und WissenLaborwerte

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