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Vitamin D bei Basedow – Der Praxisleitfaden

Im ersten Teil unserer Vitamin D-Reihe habe ich Dir erklärt, was es mit dem Sonnenvitamin auf sich hat und warum Du es bei Basedow benötigst. Heute zeige ich Dir, wie Du dich optimal mit der richtigen Dosis versorgst und deinen Vitamin D-Haushalt managst 🙂 Daneben gibt es noch zwei weitere Hauptrollen: Magnesium und Vitamin K2!

Schritt 1: Magnesium auffüllen

Es ist seit den 70ern bekannt: Der erste Schritt zu einem gesunden Vitamin D-Haushalt ist eine gute Versorgung mit dem Basis-Mineralstoff Magnesium. Er ist essentiell, um Vitamin D in seine sogenannte aktive Form umzuwandeln – oder, anders ausgedrückt, um das Sonnenvitamin für deinen Körper gut nutzbar zu machen. Nachgewiesen wurde dies unter anderem bei Menschen, die an Rachitis leiden. Eine Vitamin D-Supplementierung brachte diesen rein gar nichts, solange sie gleichzeitig einen Magnesiummangel hatten. Inzwischen weiß man, warum: Ihre Körper konnten das Vitamin D überhaupt nicht nutzen, da der Cofaktor Magnesium fehlte. Es verpuffte im Nichts!

Wie viel Magnesium solltest Du nehmen und welches? Darauf gehe ich in diesem Artikel ausführlich ein. Ich selbst habe erst einmal über einen Monat hinweg täglich 800 mg Magnesium genommen, bevor ich mich an die Vitamin D-Supplementierung gemacht habe.

Schritt 2: Den Ausgangspunkt bestimmen

Sehr wichtig ist, dass Du deine Vitamin D-Ausgangslage genau kennst. Statte dazu deinem Hausarzt einen Besuch ab, lass Dir Blut abzapfen und den Vitamin D-Wert bestimmen. Da wir als Basedowler häufiger mal zur Blutabnahme gehen, kannst Du das bei der Gelegenheit gleich mitmachen.

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass dein Vitamin D-Spiegel zu niedrig ist. Optimal sind Werte im Bereich von 35 bis 60 ng/ml bzw. 80 bis 150 nmol/l.

Achtung! Wie Du oben schon siehst, gibt es zwei verschiedene Einheiten zur Messung des Vitamin D-Spiegels, die für Verwirrung sorgen können. ng/ml wird wohl häufiger im Westen, nmol/l wird eher im Osten Deutschlands verwendet.

Die beiden lassen sich auch ineinander umrechnen: 1ng/ml = 2.5 nmol/l

Bitte überspringe diesen ersten Schritt nicht, denn er ist die Basis für ein sicheres und nachhaltiges Auffüllen deines Vitamin D-Haushaltes! Es lohnt sich.

Basedow Vitamin D

Schritt 3: Vitamin D-Dosis berechnen

Hierzu kann ich den sogenannten Melz-Rechner wärmstens empfehlen. Ich nutze ihn auch und er ist wirklich sehr gut. Hier findest Du ihn. Er ist vielleicht nicht besonders hübsch, dafür aber zweckmäßig.

Die meisten Felder erklären sich von selbst.

Jetziger Vitamin D-Wert

Falls dein Labor deinen Vitamin D-Spiegel in der Einheit „nmol/l“ angegeben hat, rechne diesen Wert erst in ng/ml um. Zum Beispiel hier (letzter Eintrag im Dropdown-Menü, wenn Du auf das Pfeilchen klickst).

Ziel-Vitamin D-Wert

Wähle einen Zielwert im optimalen Bereich zwischen 35 und 60 ng/ml. Ich selbst bin sogar noch darüber hinaus gegangen, und zwar auf einen Wert von 80 ng/ml. Das liegt nicht im „guten“, sondern im „guten hohen“ Normbereich.

An diesem Punkt scheiden sich die Geister. Ich bevorzuge einen hohen Wert, da ich mich mit diesem am wohlsten fühle und man als Basedowler – bzw. Autoimmunkranker – einen höheren Bedarf an Vitamin D hat. Gerade wenn Du mit der Vitamin-D-Thematik gerade erst anfängst, empfehle ich Dir, einen Wert im guten Normbereich anzustreben und Rücksprache mit deinem Arzt zu halten.

Blutspiegelerhöhung

Den Wert kannst Du so lassen.

Verlustrate

Habe ich auch so gelassen. Manch ein Basedowler setzt die Verlustrate auf 1, da wir mit unserem Basedow tendenziell mehr Vitamin D verbrauchen. Ich fahre allerdings mit dem vorgegebenen Wert sehr gut. Probiere dich aus – es ist ohnehin wichtig, deine Fortschritte regelmäßig im Blut zu messen. Wenn Du weißt wie es läuft, kannst Du immer noch nachjustieren.

Tage zum Auffüllen

Dazu habe ich mir mehr Zeit gelassen als angegeben. Ich musste 308.000 IE (Internationale Einheiten) aufholen. Dazu hätte ich, wenn ich mir dafür nur 10 Tage gegeben hätte, 34.500 IE pro Tag nehmen müssen. Das war mir zu viel, mit 10.000 IE am Tag habe ich mich wohler gefühlt. Zumal dies von den Amerikanern als maximale unbedenkliche Tagesdosis ausgeschrieben ist. So habe ich mir etwa 50 Tage Zeit zum Auffüllen gegeben.

Fertig!

Der Rechner spuckt deine Einnahmedosis aus. Und zwar sowohl die Auffülldosis als auch die Menge an Vitamin D, die Du täglich nehmen musst, um deinen gewünschten Blutspiegel (deinen oben eingetragenen Zielwert) zu erhalten.

Basedow Vitamin D

Schritt 4: Vitamin K2-Dosis berechnen

Aktuelle Vermutungen gehen davon aus, dass Vitamin K2 bei der Einnahme von Vitamin D super wichtig ist. Warum? Weil die beiden zusammenspielen.

Vor allem wenn Du viel Vitamin D einnimmst (mehr als 2000 IE proTag), kehrt sich laut dieser Hypothese ohne zusätzliche Einnahme von K2 das Verhältnis der beiden Stoffe in ein ungünstiges Verhältnis um. Dann werde das Calcium aus deiner Nahrung nicht mehr in die Knochen eingelagert (was ja eigentlich eine der großen Funktionen von Vitamin D ist!), sondern in deinen Blutgefäßen. Mit der Zeit führe dieser Prozess dann zur Verkalkung!

Nach aktuellem Wissensstand ist diese Hypothese noch nicht wissenschaftlich belegt. Bei einem gesunden Vitamin D-Blutspiegel zwischen 40 und 60 ng/ml soll es keinerlei Gefahr für eine Gefäßverkalkung geben. Ich selbst gehe dieses Risiko jedoch nicht ein und nehme zusätzlich zum Vitamin D auch täglich 200 mcg Vitamin K2.

Wie viel Vitamin K2 solltest Du einnehmen? Die Faustregel lautet:

Ab 2000 IE Vitamin D pro Tag brauchst Du täglich 100 bis 200 mcg K2.

Ganz wichtig: Achte darauf, dass Du die All-trans-MK-7-Form des Vitamin K2 zu dir nimmst! Sie kommt natürlicherweise zum Beispiel in fermentierten Lebensmitteln wie Natto vor, die wir ja nicht gerade jeden Tag essen. K1 scheint eine wesentlich geringere Wirkung auf den Vitamin D-Stoffwechsel zu haben!

Schritt 5: Einnehmen 🙂

Vitamin D und seine Cofaktoren Magnesium und Vitamin K2: Das ist das goldene Trio, das ich jeden Tag nehme.

Abgesehen vom meinem Basedow war ich übrigens seit gut 11 Jahren nicht mehr (bakteriell/viral) krank. Keine Erkältung, keine Grippe, nicht mal Schnupfen oder Halskratzen … Natürlich liegt das an einer Kombination mehrerer Faktoren. Aber dass der gesunde Vitamin D-Status seinen Teil dazu beiträgt, da bin ich mir sicher.

Wichtig: An meinem Beispiel siehst Du, dass Vitamin D allein dich nicht davor bewahrt, einen Ausbruch des Basedow zu erleiden. Es wäre auch vermessen, anzunehmen, dass nur ein einziger Faktor das Ganze derart bestimmt.

Vielmehr handelt es sich immer um eine Kombination. Stress, Vitamin- und Mineralstoffmangel, eine viel zu hohe Jodaufnahme, Veranlagung, … Sie alle tragen zum Ausbruch eines Basedow bei. Aber gerade deshalb ist es in meinen Augen umso wichtiger, alle Risikofaktoren auszuschalten, die Du ausschalten kannst. Jeder einzelne zählt. Und eine gute Versorgung mit Vitamin D ist eine verdammt mächtige Säule.

Wichtig: Die Vitamin D-Versorgung im Sommer

Den oben mittels Melz-Rechner ermittelten Tagesbedarf an Vitamin D nehme ich nur dann in Form von Tabletten oder Tropfen, wenn das über den natürlichen Weg – die Sonne – nicht möglich ist.

Wie Du inzwischen weißt, hat die Sonne in unseren Breiten nur während einer begrenzten Zeit im Jahr die Power, deine Haut zur Vitamin D-Produktion zu bewegen. Und selbst während dieser Zeit – beispielsweise im Juni – ist das noch nicht garantiert. Denn auch die Tageszeit zählt!

Deine Haut kann nur dann Vitamin D herstellen, wenn der Einfallswinkel des Sonnenlichtes einen bestimmten Wert überschreitet. Wie Du weißt, steht die Sonne mittags viel höher als beispielsweise um 17 Uhr abends, und das zählt.

Die Faustregel: Von April (Monatsbeginn) bis September (Monatsende) kannst Du maximal zwischen 11 und 15 Uhr im Sonnenlicht Vitamin D herstellen. Je näher Du dem April bzw. September bist, desto kleiner wird dieses Zeitfenster.

Der Einfachheit halber kannst Du dich an folgender Eselsbrücke orientieren: Solange dein Schatten kürzer ist als Du groß bist, bildet deine Haut Vitamin D. Ich selbst nutze die Nerd-Variante und nehme einen Sonnenstandsrechner zur Hilfe 🙂

Wieviel Haut solltest Du dabei zeigen? Arme und Beine. Also T-Shirt und kurze Hose, ich halte mich immer an ungefähr 15 Minuten. Im Hochsommer sind es häufig auch nur 10 Minuten. Länger würde ich das Ganze an deiner Stelle auch nicht machen, um einem Sonnenbrand aus dem Weg zu gehen.

Übrigens: Die Vitamin D-Bildung funktioniert nur, wenn Du für dein Sonnenbad keine Sonnenmilch aufträgst.

Basedow Vitamin D

An bedeckten und regnerischen Tagen – also wenn die Haut kaum oder keine Sonne abbekommt – nehme ich einfach meine berechnete Vitamin D-Dosis als Tablette oder Tropfen, genau wie in den dunklen Monaten.

Magnesium und Vitamin K2 nehme ich das ganze Jahr über in der gleichen Dosis.

Für eine noch detailliertere Erklärung zur Vitamin D-Bildung in der Sonne kann ich Dir diesen Artikel wärmstens empfehlen.

Bitte beachte: Ich bin keine Ärztin, Heilpraktikerin oder dergleichen, also kein Fachmensch. Alle meine Beiträge basieren auf meinen eigenen Erfahrungswerten und über die Zeit gesammeltem Wissen.

Published inBehandlungLaborwerte

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