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Verschiedene Verhältnisse von T3, T4 und TSH (Nicht immer ist es Basedow!)

Wenn Du eine Autoimmunerkrankung mit vorrangiger Ausprägung „Schilddrüse“ hast – also beispielsweise einen Morbus Basedow – weißt Du in der aktiven Phase deiner Krankheit in aller Regel, warum Du welche T3-/T4-Konstellation hast.

T3 und T4: Das sind die Hormone, die deine Schilddrüse herstellt und die – wenn es zuviele davon gibt – beim Morbus Basedow deine Symptome verursachen.

Die Konzentration und damit das Verhältnis an T3 und T4 wird dann von den Medikamenten bestimmt, die Du gerade einnimmst. Thiamazol, Propycil, Carbimazol oder Irenat 😉

Wichtig und interessant ist das ganze Thema jedoch in der Remission, wenn dein Basedow schläft und Du keine Medikamente nimmst. Denn dann arbeitet deine Schilddrüse unbeeinflusst von den Mittelchen aus der Apotheke.

Wenn Du einen guten Arzt (Hausarzt, Endokrinologe/Nuklearmediziner) hast – und den empfehle ich Dir wärmstens – wird dieser dich trotzdem regelmäßig zur Blutabnahme schicken. In der Regel alle paar Monate. Auf diese Weise bekommst Du weiterhin ein gutes Bild deiner Schilddrüsenhormone.

Womöglich geht es Dir dabei wie mir, und schon kleinste Schwankungen oder Konstellationen, die irgendwie nicht zueinander passen, machen dich nervös. Einfach, weil die Angst vor einem Rezidiv immer im Hinterkopf bleibt, und sei sie noch so klein.

Lass Dir an dieser Stelle gesagt sein: Wissen ist Macht! Denn wie Du Dir schon denken kannst, muss dein Basedow nicht die einzige Ursache für schwankende Schilddrüsenwerte sein.

Zusammengefasst wird das Ganze dann unter der Bezeichnung „NTIS“ – „Non Thyreodial Illness Syndrome“.

Auf Deutsch: „Nicht-Schilddrüsenbedingtes Erkrankungssyndrom“.

Klingt komisch, trifft es aber. Es handelt sich also um eigenartige Schilddrüsenhormon-Konstellationen – diese werden aber nicht von einer Erkrankung deiner Schildi hervorgerufen, sondern von etwas anderem.

Und was das so alles sein kann, zeige ich Dir jetzt.

T3: niedrig, T4: normal/erhöht

Laut Quellen1,2,3 handelt es sich hier um das sogenannte „Low T3 Syndrom„. Mit diesem bekommst Du es zu tun, wenn dein T4 schlecht in T3 umgewandelt werden kann

Der Grund können diverse Entzündungsprozesse in deinem Körper sein. Aber auch bestimmte Erkrankungen wie Herzprobleme (Herzinsuffizienz, Infarkt), eine Leberzirrhose oder als Allgemeinsymptom: Appetitlosigkeit. Auch wenn Du dich verbrannt hast, kannst Du unter Umständen dieses Phänomen beobachten. Ob Herdplatte oder Sonnenbrand, dürfte deinem Körper dabei ziemlich egal sein.

An sich musst Du Dir mit einem Low T3 Syndrom erstmal keine Sorgen machen. Es sei denn, Du hast eine der Erkrankungen, die ich eben erwähnt habe – und in dem Fall hast Du ohnehin andere Sorgen.

An und für sich genommen ist der im Vergleich zum T4 niedrige T3 nicht pathologisch, wenn Du ansonsten gesund bist. Er verschlechtert „nur“ deine Prognose, wenn Du bereits eine schwere Erkrankung hast.

Warum macht dein Körper denn so einen Blödsinn, fragst Du dich jetzt vielleicht.

Wie so viele Schilddrüsenthematiken kann die Wisschenschaft auch hier noch keine definitive Antwort geben. Man vermutet aber, dass es ein Schutzmechanismus deines Körpers ist, wenn dieser sich verletzt hat oder eine Krankheit bekämpft.

Das funktioniert dann vermutlich über eine Absenkung des Stoffwechsels. Denn T4 ist selbst metabolisch nicht wirklich aktiv – sondern erst dann, wenn es in T3 umgewandelt wird. Wird dieser Mechanismus unterdrückt, gibt es demzufolge weniger fleißige T3-Bienchen im „System“.

Die Folge: Der Stoffwechsel wird langsamer. Auf diese Weise kann der Körper beispielsweise Autoimmunreaktionen am Überkochen hindern. Oder seinen Verbrauch an Energie im Rahmen halten, bevor er davon womöglich unnötig viel verschleudert.

T3: niedrig, T4: niedrig, TSH: normal, rT3: hoch

Auch genannt: „Low T3 low T4 Syndrom“.

Laut Quellen1,2 hast Du hier – wie der Name schon sagt – nur wenig T3 und T4. Da würde man ja eigentlich einen höheren TSH erwarten (Warum und wie der TSH funktioniert, erfährst Du hier), aber bei diesem Syndrom ist der TSH völlig normal.

Hier gilt prinzipiell das Gleiche, was auch für das Low T3 Syndrom weiter oben gilt. An und für sich ist das Ganze nicht pathologisch, kommt aber dafür in Assoziation mit (schweren) Erkrankungen vor und verschlechtert deren Prognose.

Wenn Du also nicht gerade mit einer schweren Erkrankung im Bett – oder womöglich auf der Intensivstation – liegst, wirst Du dieser Hormonkonstellation vermutlich nicht begegnen.

Anmerkung: Du fragst dich, was „rT3“ ist? rT3 ist – Du kannst es Dir vielleicht denken – „reverses T3“ ist der Bruder zum T3 und stofflich genauso wie dieses zusammengesetzt. Nur seine Jodatome sitzen an anderen Stellen, und deshalb ist es physiologisch inaktiv.4

T3: hoch (High T3 Syndrome)

In diesem Fall hast Du einen hohen T3-Wert im Blut – treffenderweise als „High T3 Syndrome“ bezeichnet. Dieses unterteilt sich in Spielarten, die ich auf Basis meiner Quellen5,6,7,8 einzeln für sich behandle.

1.) Zusätzlich T4: hoch

Zunächst einmal könnte unser Klassiker vorliegen, mit gleichzeitig erhöhtem T4.

Dann haben wir das typische Basedow-Krankheitsbild, eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose).

Allerdings muss für diese Überfunktion nicht immer der Basedow die Ursache sein – eine überfleißige Schilddrüse kann beispielsweise auch durch autonome Knoten entstehen. Das sind Bereiche in deiner Schilddrüse, die sich der Kontrolle der Hypophyse entzogen haben und fröhlich-unkontrolliert ihre Hormone produzieren. Zack, Überfunktion.

2.) Zusätzlich T4: normal/niedrig

Hier haben wir einen Fall vorliegen, in dem bestimmte Enzyme – die sogenannten Deiodinasen – übermäßigen Arbeitseifer entfalten.

Paradoxerweise kommt dieser genau dann zustande, wenn Du zu wenig Jod zu Dir nimmst. Woran das wohl liegt? Die Forschung spricht von einer „Hyperdejodierung“, ein Wort, das ich zweimal lesen musste. Hach ja, doppelte Verneinungen sind meine Freunde. Das Ganze will nur sagen, dass Du in diesem Zustand einen starken Jodmangel hast. Hyper wenig Jod, sozusagen 😉

Deiodinasen sind Enzyme, die bei der Freisetzung von Jod aus einem Molekülbündel helfen. Also zum Beispiel bei der Umwandlung von T4 zu T3 (ein Stück Jod wird aus T4 entfernt, wodurch es zu T3 wird).

Übrigens: Eine Spielart der Deiodinasen wird von dem Medikament Propycil gehemmt, was dieses so wirksam macht 😉

Für unseren Fall hier relevant sind „inaktivierende“ Deiodinasen, die T3 und T4 inaktivieren können (indem sie das Jodmolekül an einer anderen Stelle in T3/T4 entfernen, aber das führt an dieser Stelle zu weit). Je nachdem wer genau inaktiviert wird, kann unter Umständen ein hoher T3 bei einem normalen T4 das Ergebnis sein.

Zu wenig Jod im System kann übrigens nicht nur dann auftreten, wenn Du zu wenig Jod isst! Auch körperliche Belastungszustände wie Ausdauersport, Stress in Form von psychischen Erkrankungen oder auch Schwangerschaft können den Zustand der Hyperdejodierung hervorrufen. Und dann hast Du in der Folge deinen hohen T3 bei niedrigem T4 😉

Wie bei vielen anderen Syndromen die ich vorgestellt habe, gilt auch hier: Rein für sich gesehen ist ein High T3 nicht so problematisch, solange sie nicht entgleisen und eine noch nicht zu geringe Jodkonzentration im System ist.

Ansonsten wird, wie ich oben schon einmal erwähnt habe, gern Propycil zur Hemmung der Deiodinase eingesetzt.

Fazit: Veränderungen der Schilddrüsenhormone müssen nicht immer vom Basedow kommen!

Gerade wenn Du dich in Remission befindest, beobachtest Du die Schwankungen deiner Schilddrüsenwerte sicher besonders genau. Und bestimmt auch mit einem leicht flauen Gefühl im Magen.

Laut meinen Quellen1,2,3,4,5,6,7,8 muss jedoch nicht immer muss eine erneute Rückkehr des Basedow an seltsamen Werten schuld sein. Unter Umständen reicht eine Erkrankung (sogar ein Infekt oder andere Dinge, die kleine und große Entzündungen in deinem Körper hervorrufen) oder ein dicker Sonnenbrand aus, um deine Hormonwerte leicht durcheinander zu bringen.

Wenn Du Dir Sorgen wegen eines erneuten Aufflammens des Basedow machen musst, wird ein guter Arzt dich warnen – regelmäßige Blutkontrollen vorausgesetzt, auch unabhängig vom Befinden. Auch wenn Du in deinen Körper hineinlauschst, wirst Du mit großer Wahrscheinlichkeit spüren, sobald etwas nicht in Ordnung sein sollte.

Ein leicht erhöhter Puls, ein schlechterer Schlaf oder schnelleres Schwitzen sind beispielsweise Symptome, die Du bereits von deinem Basedow kennst und auf die Du sensibler reagierst. Also auch schneller bemerkst. Blutwerte stehen in den seltensten Fällen allein da. Entgleisen sie, so sind sie in der Regel auch von entsprechenden körperlichen Anzeichen begleitet.

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Bitte beachte: Ich bin keine Ärztin, Heilpraktikerin oder dergleichen, also kein Fachmensch. Alle meine Beiträge basieren auf meinen eigenen Erfahrungswerten und über die Zeit gesammeltem Wissen.

  1. Dietrich, J. W., K. Brisseau und B. O. Boehm (2008). „Resorption, Transport und Bioverfügbarkeit von Schilddrüsenhormonen.“ Deutsche Medizinische Wochenschrift 133 (31/21): 1644-8. PMID 18651367
  2. Dietrich, J. W., A. Stachon, B. Antic, H. H. Klein, and S. Hering (2008). „The AQUA-FONTIS Study: Protocol of a multidisciplinary, cross-sectional and prospective longitudinal study for developing standardized diagnostics and classification of non-thyroidal illness syndrome.“ BMC Endocrine Disorders 8 (13). PMID 18851740
  3. Liu S, Ren J, Zhao Y, Han G, Hong Z, Yan D, Chen J, Gu G, Wang G, Wang X, Fan C, Li J. Nonthyroidal Illness Syndrome: Is it Far Away From Crohn’s Disease? J Clin Gastroenterol. 2012 Aug 7. PMID 22874844.
  4. Vgl. Douwes, Dr.med. Friedrich R., „Die Bedeutung des Reverse T3“ unter https://www.klinik-st-georg.de/die-bedeutung-des-reverse-t3/,  (abgerufen am 14.04.2022)
  5.  Obregon MJ, Escobar del Rey F, Morreale de Escobar G. The effects of iodine deficiency on thyroid hormone deiodination. Thyroid. 2005 Aug;15(8):917-29. PMID 16131334
  6. Hoermann R, Midgley JE, Larisch R, Dietrich JW. Homeostatic Control of the Thyroid-Pituitary Axis: Perspectives for Diagnosis and Treatment. Front Endocrinol (Lausanne). 2015 Nov 20;6:177. doi: 10.3389/fendo.2015.00177. PMID: 26635726
  7. Chatzitomaris A, Hoermann R, Midgley JE, Hering S, Urban A, Dietrich B, Abood A, Klein HH and Dietrich JW (2017) Thyroid Allostasis–Adaptive Responses of Thyrotropic Feedback Control to Conditions of Strain, Stress, and Developmental Programming. Front. Endocrinol. 8:163. doi: 10.3389/fendo.2017.00163PMID 28775711
  8. Isozaki O, Satoh T, Wakino S, Suzuki A, Iburi T, Tsuboi K, Kanamoto N, Otani H, Furukawa Y, Teramukai S, Akamizu T. Treatment and management of thyroid storm: analysis of the nationwide surveys: The taskforce committee of the Japan Thyroid Association and Japan Endocrine Society for the establishment of diagnostic criteria and nationwide surveys for thyroid storm. Clin Endocrinol (Oxf). 2016 Jun;84(6):912-8. doi: 10.1111/cen.12949. PMID 26387649
Published inFakten und WissenLaborwerte

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