Zum Inhalt springen

Soja: Schädlich bei Morbus Basedow?

Immer wieder werde ich gefragt, ob Produkte aus Soja – zum Beispiel Tofu, Sojamilch oder verschiedene vegane Ersatzprodukte – bei einem Morbus Basedow schädlich sind. Heute möchte ich Dir meine Gedanken dazu näherbringen.

Um diese Produkte geht es

Soja verbinden die meisten von uns mit traditionell-asiatischem Tofu oder modern-industrieller Fertigware. Tatsächlich finden wir heute vor allem durch die vegetarisch-vegane Bewegung eine viel größere Auswahl an Lebensmitteln, die Soja enthalten, als noch vor wenigen Jahren. Ob Sojamilch, das vegane Schnitzel oder der leckere vegane Joghurt: Vieles davon ist ohne die Wunderbohne überhaupt nicht denkbar.

Der „problematische“ Stoff: Isoflavone

Der Ausdruck „problematisch“ steht hier ganz bewusst in Anführungszeichen. Denn die Isoflavone, um die es hier geht, gehören zu den ansonsten immer viel gelobten „sekundären Pflanzenstoffen“, die beispielsweise auch den Grüntee so gesund machen. Sie wirken entzündungshemmend, bekämpfen Krebs und sind wertvolle Antioxidantien. Da drängt sich doch die Frage auf, warum gerade die Isoflavone der Sojabohne schädlich sein sollen.

Isoflavone sollen eine Unterfunktion hervorrufen können

Du fragst dich jetzt bestimmt: „Eine Unterfunktion? Was soll das mit meinem Basedow zu tun haben?“ Falls Du nicht (so wie ich) eine Mischform aus Basedow und Hashimoto hast, würde ich tippen: Nicht besonders viel.

Denn als Basedowler hast Du ein Problem mit einer Über-Funktion der Schilddrüse, nicht mit einer Unter-Funktion.

Kleiner Fakt am Rande: Zu Beginn meines Basedow habe ich bewusst ganz viel leckeren Tofu genossen, da auch ich davon gehört hatte, dass Sojaprodukte die Schilddrüsenfunktion ausbremsen sollen. Geschadet hat es mir in keinster Weise! Ganz im Gegenteil: Mein Basedow ruht nun schon seit vielen Monaten und auch eine Unterfunktion ist weit und breit nicht in Sicht.

Du hast vielleicht schon von dem Begriff „Goitrogene“ gehört. Klingt fies und bedeutet: „kropfbildend“. Soll heißen, diese Stoffe sollen die Ausprägung eines Kropfes der Schilddrüse begünstigen.

Soja Morbus Basedow

Wie die Isoflavone (Goitrogene) das anstellen? Sie sollen die Funktion der Schilddrüse herunterfahren, also, eine Unterfunktion hervorrufen. Wie Du eventuell bereits weißt, ist die Kropfbildung nicht nur für uns Basedowler typisch, sondern auch für Menschen mit einer Unterfunktion. Meistens (vor allem in früheren Zeiten) sprach man von einem sogenannten „Jodmangelkropf“: Hier wird die Unterfunktion der Schilddrüse jedoch nicht von einem Goitrogen, sondern von zu wenig Jodzufuhr verursacht.

Kurzum: Die Isoflavone der Sojabohne werden als „goitrogen“ bezeichnet, da sie eine Schilddrüsenunterfunktion und damit die Bildung eines Kropfes hervorrufen sollen. Soweit die Hypothese. Doch was ist nun dran?

Ein zu hoher Sojaverzehr könnte schädliche Auswirkungen haben

Wie bei so vielen Dingen im Leben gilt: Die Dosis macht das Gift! Das Sprichwort mag angestaubt sein, ist aber völlig treffend. Sekundäre Pflanzenstoffe bzw. unsere Isoflavone aus der Sojabohne können sehr wohl schädlich sein, wenn man diese dauerhaft und in übertrieben hoher Konzentration konsumiert. Also zum Beispiel Kapseln als Nahrungsergänzung nimmt oder wirklich viele Sojaprodukte isst.

Gern wird von den Soja-Skeptikern eine alte japanische Studie ins Feld geführt. Diese stammt aus dem Jahr 1991 (fast so alt wie ich!) und ist nur auf japanisch verfügbar. Dort wurde festgestellt, dass der TSH-Wert bei Probanden, die täglich 30 g Sojabohnen aßen, signifikant anstieg (Zur Erinnerung: ein hoher TSH-Wert bedeutet, dass dein Gehirn deine Schilddrüse darum bittet, mehr Hormone zu produzieren. Dein Körper findet also, er hat zu wenige Schilddrüsenhormone = Hormonmangel = Schilddrüsenunterfunktion). Und damit nicht genug: Es bildeten sich außerdem in zwei von drei Gruppen auch Kröpfe. Die Schilddrüsenwerte der Probanden blieben aber gleich. Nur der TSH stieg an.

Info: Wenn der TSH oberhalb des Normbereiches liegt, die Schilddrüsenhormone aber völlig normal sind, spricht man von einer „latenten Unterfunktion“. Nach meinem Verständnis also einer „Unterfunktion auf Papier“ bzw. keine manifeste Unterfunktion, da ja genug Hormone gebildet werden.

Warum diese Studie in meinen Augen schwächelt: Sie hatte nur 37 Teilnehmer. In der Wissenschaft wird diese Zahl als zu gering angesehen, um wirklich belastbar und repräsentativ zu sein. Wer sich ein wenig mit Japan auskennt, weiß außerdem: 30 g Sojabohnen verzehrt ein Japaner mit einem müden Lächeln. Und zwar in einer Mahlzeit. In diesem wunderbaren Land spielt die Sojabohne in der Ernährung eine tragende Rolle. Ich lehne mich nicht besonders weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass der Durchschnittsjapaner dreimal soviel Soja isst, wie den Probanden in der Studie verabreicht wurde.

Stell Dir das mal vor: Ein ganzes Land mit 126.860.000 Einwohnern müsste nach dieser Studie an einer Schilddrüsenunterfunktion leiden. Eine Volkskrankheit par excellence! Nun, dem ist jedoch glücklicherweise nicht so.

Soja Morbus Basedow

Aktuelle Studien zeigen: Soja schadet nicht

Der derzeitige Stand der Studien zeigt, dass der Verzehr von Soja keine oder wenn, dann nur äußerst geringe Auswirkungen auf die Schilddrüsenaktivität hat. Die maximale „Gefahr“ scheint zu sein, dass wenn Du an einer Unterfunktion leidest und daher zum Ausgleich synthetische Hormone einnimmst, Sojaprodukte die Aufnahme dieser Hormone leicht hemmen können.

Dies ist aber für uns Basedowler uninteressant, da wir ohnehin mehr Hormone produzieren als wir wollen und weit davon entfernt sind, diese auch noch zu substituieren 😉 Betroffene Unterfunktions-Patienten nehmen in diesem Fall dann aber eine leicht erhöhte Hormondosis. (Ganz davon abgesehen, sollen noch viele andere Stoffe die gleiche Wirkung haben, zum Beispiel diverse Milchprodukte.)

Zu guter Letzt ist noch zu sagen: Viel Soja in Kombination mit starker Jodunterversorgung scheint ein Risikofaktor für eine Schilddrüsenunterfunktion zu sein, da die Isoflavone (wenn auch in äußerst geringem Ausmaß) Jod an sich binden können. Aber auch hier gilt: Für uns Basedowler ist das kein Problem, da wir keine Unter- sondern eine Überfunktion haben. Im Gegenteil.

Mein Fazit: Lass Dir deinen Tofu schmecken

Es gibt meiner Meinung nach keinen Grund, als Basedowler Angst vor Sojaprodukten zu haben. Und selbst, wenn sich tatsächlich eine schilddrüsenhemmende Wirkung einstellen sollte: Das kommt uns eher zugute als dass es uns schaden würde, denke ich.

Nur mit einer Mischform darfst Du mit Soja eventuell etwas vorsichtiger sein. Will heißen: Keine konzentrierten Soja-Inhaltsstoffe in Kapselform und ein völlig normaler Konsum von Sojaprodukten im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung.

Im Zweifelsfall: Sprich immer mit deinem Arzt. Bitte bedenke, dass ich hier keine medizinische Empfehlung geben kann. Ich berichte lediglich von meinen Erfahrungen und lass dich an meiner Meinung teilhaben. Letztendlich entscheidest immer Du selbst 🙂

Dir hilft dieser Blog und Du möchtest der(die) Erste sein, die(der) von den neuesten Artikeln erfährt? Dann werde „Basedow und Ich“-Fan auf Facebook! 🙂

Bitte beachte: Ich bin keine Ärztin, Heilpraktikerin oder dergleichen, also kein Fachmensch. Alle meine Beiträge basieren auf meinen eigenen Erfahrungswerten und über die Zeit gesammeltem Wissen.

  1. Schilddrüse: Die richtige Ernährung bringt den Stoffwechsel in Schwung – Quelle 1
  2. Schilddrüse Teil 2: Ernährung bei Erkrankungen – Quelle 2
  3. Soja und die Schilddrüse – Quelle 3
  4. Soja-Lebensmittel: Riskant für die Schilddrüse? – Quelle 4
Published inErnährung

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.