Zum Inhalt springen

Sieben Dinge, für die ich dem Basedow dankbar bin

Nein, bei mir ist keine Sicherung durchgebrannt 😉 Es gibt tatsächlich Dinge, für die ich meinem Basedow dankbar bin.

Mir sind in einer ruhigen Minute nur ein paar Gedanken gekommen. Wie das immer so ist, wenn man sie freien Lauf lässt 🙂

Ich habe darüber nachgedacht, was sich seit der Diagnose in meinem Leben so alles verändert hat. Und siehe da. Tatsächlich habe ich mehr Positives als Negatives gefunden. Vielleicht findest Du dich ja auch in einigen Punkten wieder?

1.) Der Ausbruch aus dem Hamsterrad.

Der Basedow schlug damals ein wie ein Brett, das mir vor den Kopf gehauen wurde. Genau zu einem Zeitpunkt, als alles „zu viel“ war.

Wenn ich heute zurückblicke, frage ich mich, wie ich meinen straffen Tages-/Wochen-/Monatsplan damals überhaupt schaffen konnte. Kennst Du das?

  • Jede freie Minute verplant?
  • Allem zugesagt, weil man irgendwie alles machen und gleichzeitig auch niemanden vernächlässigen möchte?
  • Von der Schlafenszeit abgezwackte Stunden, um wenigstens ein paar Minuten allein mit den eigenen Gedanken auf der Couch sitzen zu können?
  • Funktionieren, jeden Tag?
  • Ein schlechtes Gewissen beim Nichtstun?

Willkommen im Hamsterrad. Daraus hat mich der Basedow befreit. Unschön, gewaltsam und rücksichtslos, ja. Aber heute denke ich, genau das habe ich gebraucht. Sonst hätte ich ewig so weitergemacht. Danke für den Schlag ins Gesicht, lieber Basedow.

2.) Ich habe gelernt, dass Nichtstun wichtig ist.

Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose fühlte ich mich, als wäre die Zeit stehen geblieben. Fast wie in einem Kloster.

Denn plötzlich waren quasi alle Termine, Verpflichtungen und andere Kalendereinträge wie weggeblasen. Wenn man sowas jahrelang nicht mehr gewöhnt ist, macht das wirklich großen Eindruck.

Und obwohl dieses Nichtstun genau das war, was ich jahrelang vermieden hatte, fühlte es sich richtig an (klar, meine Körpersysteme konnten ja auch nicht mehr). Denn es ist ja auch wichtig! Jeder Organismus braucht Ruhepausen, Phasen zum Gammeln, Momente des Nichtstuns. Denn nur so kann er seine Batterien wieder aufladen.

Es sollte logisch sein, ich weiß. Aber vor Basedow habe ich diese Tatsache verdrängt – vermutlich weil ich dachte, mir ginge dadurch Zeit verloren oder ich würde etwas verpassen.

3.) Yoga.

Zuerst habe ich mit sanftem Yin-Yoga angefangen, um mich trotz Herzrasen dennoch ein wenig bewegen zu können. Eigentlich war es nur als Übergangslösung gedacht, aber als ich gemerkt habe, auf wie vielen Ebenen es gut tat, bin ich ganz von selbst dabei geblieben.

Yoga besteht nicht einfach nur aus irgendwelchen Bewegungen. Mit Yoga habe ich erst richtig gelernt, wie Achtsamkeit überhaupt in der Praxis funktioniert. Sowohl körperlich als auch seelisch. Es hat mir die Fähigkeit geschenkt, meinem Körper zuzuhören – so seltsam das vielleicht klingen mag. Aber seitdem fühle ich mich mehr wie ein „kompletter“ Organismus – nicht nur wie ein Pilot, der im Kopf sitzt und seinen biomechanischen Anzug steuert. Viel dazu beigetragen hat auch die …

4.) Meditation.

…, ohne die das Yoga nicht auskommt. Während Yoga mehr ist als „nur“ Bewegungsabläufe, ist die Meditation mehr als nur „Nichtstun“. Ganz im Gegenteil!

Es fiel mir sehr schwer, während des „Nichtstuns“ das „Nichtsdenken“ auf die Reihe zu kriegen. Aber es lohnt sich! Wann immer das Gedankenkarussell anspringt, kann ich mich heute hinstellen und es zum Anhalten zwingen. Dazu musst Du dich nicht erst an einen einsamen Strand setzen. Ja, Du musst nichtmal unbedingt die Augen schließen! Es geht nur darum, Gedanken und Atem zu kontrollieren.

Ich sage Dir, das ist Gold wert. Denn es schenkt Dir in jeder Situation Ruhe, Fokus und einen kühlen Kopf – und den braucht man ziemlich häufig.

5.) Blutabnehmen ist keine Tortur mehr.

Jupp, für mich ist das echt ein Punkt.

Mit meinen unsichtbaren Rollvenen, einer hohen Schmerzempfindlichkeit, einer Abneigung gegen Spritzen sowie akutem Brechreiz mit Kreislaufproblemen bei der Blutabnahme wirkten die ständigen Piekstermine wie ein Bootcamp. Während ich früher zwei Tage vor dem Termin schon ins Schwitzen geriet, geht das Ganze heute (beinahe) völlig entspannt über die Bühne.

6.) Ich weiß besser als je zuvor über den Zustand meines Körpers bescheid.

Du kennst das sicher. Ständige Bluttests mit großem Blutbild, Schilddrüsenwerte, Leberwerte, Vitamin D – sowieso alle Vitaminwerte -, EKG, Ultraschall, … Die Liste der Untersuchungen für uns Basedowler ist lang. Wenn es Dir so geht wie mir, dann hast Du das Gefühl, es gibt in deinem Körper fast keine Ecke mehr, über die Du nicht bescheid weißt 😉

7.) Dieser Blog.

… der ohne meinen Basedow nie entstanden wäre 🙂 Im Zuge dessen bin ich auch sehr dankbar für die vielen neuen Bekanntschaften, die ohne den Blog bzw. den Basedow nie entstanden wären (zum Beispiel Linda :))

Wie sieht’s bei Dir aus? Findest Du dich in einigen meiner Punkte wieder? Oder gibt es in deinem Leben vielleicht ganz andere Dinge, die Du dem Basedow verdankst und über die Du sehr glücklich bist?

Published inGedanken zum Basedow

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.