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Ernährung (und Jod) bei Morbus Basedow

Last updated on Oktober 8, 2020

Morbus Basedow und Jod – sicher hast Du schon davon gehört, dass diese beiden keine guten Freunde sind.

Nach allem was ich gehört habe, scheinen Ärzte sich in dieser Thematik nicht ganz einig zu sein. Die einen sagen, man kann alles weiter essen – die anderen, man solle auf Jodsalz und Meeresfrüchte verzichten. Und wieder andere sind der Meinung, man sollte auf die Jodaufnahme im Allgemeinen achten.

So unterschiedlich diese Auffassungen sind, so unterschiedlich sind auch die Körper von uns Basedowlern. Gerade diese Krankheit zeigt uns: Es ist schwer, alle über einen Kamm zu scheren.

Ein gemeinsamer Nenner hat sich meiner Erfahrung nach aber herauskristallisiert: Verzichte auf Meeresfrüchte und jodiertes Speisesalz. Das hilft schon. (Warum? Weil unsere Schilddrüse ihre Hormone aus Jod herstellt. Kein Jod → Keine Bausteine → Keine Hormone)

Nun mal zu meinen ganz persönlichen Erfahrungen.

Jodverzicht hat mir geholfen

In der Akutphase habe ich Jod gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Das war richtig schwierig, kann ich Dir sagen. Aber es war nötig, denn ich habe monatelang die Medikamente nicht vertragen und konnte nicht richtig eingestellt werden. Trotzdem verspürte ich in dieser Zeit eine Besserung meiner Symptome, was ich unter anderem auf meine strenge Joddiät zurückführe.

Nahezu alle tierischen Erzeugnisse enthalten Jod

Hierzulande, muss ich dazu sagen. In Europa.

Als meine Blutwerte endlich besser wurden, fing ich langsam wieder mit tierischen Lebensmitteln an, beispielsweise Fleisch. Es enthält durch die Zusätze im Futtermittel zwar durchaus Jod; jedoch reichert sich dieses im Steak weitaus weniger an als in Milch und auch Eiern.

Dann wartete ich die nächsten Blutwerte ab. Als diese ebenfalls gut waren, begann ich ganz langsam, wirklich in Ministeps, Milchprodukte wieder zu integrieren. Als Kraftsportler kam zuerst Whey an die Reihe: einmal täglich nur 10 Gramm. Das war schon viel für mich. Dazu täglich ein kleines Stückchen Vollmilchschoki. Bis heute bin ich nicht großartig darüber hinaus gegangen (von gelegentlichem Käse einmal abgesehen), das hat aber den Grund, dass ich Milch aus anderen Gründen mit Skepsis begegne.

steinofen pizza

Vorsicht beim Fertigfutter, beim Bäcker und im Restaurant

Meeresfrüchte, Algen (Sushi) und Jodsalz esse ich bis heute nicht, wobei ich gerade Lachs und Sushi sehr vermisse. Aber ich bin guter Dinge, dass das wieder zurückkommt. Der Jodsalzverzicht hat übrigens Dimensionen, die manch einer übersieht: Bäckerbrötchen und Fertigfutter aller Art enthalten häufig Jodsalz, manchmal kann auch ein Restaurantessen für unangenehme Überraschungen sorgen.

Bevor Du Dir also die Fertiglasagne gönnst, riskiere einen Blick auf die Zutatenliste. Im Restaurant kannst Du einfach freundlich nachfragen – wenn Du gut eingestellt bist und sonst auf deine Ernährung achtest, ist ein Teller Pasta aus dem Restaurant wahrscheinlich auch kein Krankenhausticket. Ich weiß es noch nicht, da ich noch nicht so weit bin.

Bäckerbrötchen sind auch häufig mit Jodsalz versetzt. Achtung: “Meersalz” ist – genau wie alles andere aus dem Meer – keinen Deut besser, logisch. Das übersieht man aber vielleicht mal. Behalte das im Hinterkopf.

Und wer jetzt glaubt, beim Obst könne er uneingeschränkt zuschlagen: Kiwis! Meide Kiwis. Die haben ziemlich viel Jod, was ich interessant finde, aber nicht verstehe. Edit: Angeblich soll diese Information einer Fehlmessung entstammen. Seit ich das weiß, schlage ich auch bei Kiwis wieder zu. Geschadet hat’s mir nicht.

Meine Geheimtipps zur Basedow-Ernährung

Wovon habe ich während meines Jodfastens denn überhaupt gelebt? So schwierig ist das gar nicht, keine Sorge. Gemüse gab’s ohne Einschränkungen, ebenso Obst (bis auf die – und das tat weh – Kiwis. Hätte ich das mit der Fehlmessung nur früher gewusst!) und Nüsse (hier wieder Obacht bei den gesalzenen Dingern aus Tüte und Dose). Das ist doch schonmal eine Grundlage!

Meine Geheimtipps: Griechenland, Irland, die Niederlande. Hier wird meines Wissens nach dem Tierfutter kein Jod beigemengt. Daher habe ich gern auf Bio-Eier aus den Niederlanden (Gott, was habe ich die manchmal gesucht. Schau auf die Stempel und achte auf das “NL”), irischen Käse und den guten griechischen Feta zurückgegriffen. Und natürlich Eier von Omas Glückshühnern. Wer also eigene Tiere hat, ist fein raus.

Weiterer Geheimtipp: Wildfleisch, aber bitte aus seriöser Quelle. Am besten direkt vom Jäger. Wild ernährt sich logischerweise selber und ist nicht von jodiertem Futter abhängig 😉 Zudem schmeckt es einfach grandios und wird deinen Speiseplan um gesunde Eiweiße und Fette erweitern.

Dritter Geheimtipp: Wels aus artgerechter Haltung. Hier in MV habe ich das Glück, diesen in einem schwarz-gelben Discounter zu bekommen. Wels ist eine geschmackliche Offenbarung und tausendmal besser als Lachs. Probier’s mal aus!

gutes fleisch

Meine Empfehlung: Viel Protein, Vitamine, Mineralstoffe

Als begeisterter Sportler habe ich festgestellt, dass mein Körper gerade in der Akutphase des Basedow regelrecht nach Protein schrie. Das mag bei jedem anders sein, ich hab’s aber gemerkt. Ist für mich auch logisch, denn in meinen Augen wirkt Basedow wie eine Radikaldiät und der Körper bekommt trotz gesteigerten Appetits nicht genügend Vitamine, Mineralstoffe, Proteine und gute Fette. Der Stoffwechsel läuft dermaßen auf Hochtouren, dass das Ganze einfach viel schneller verfeuert wird.

Meine schlechten Kraftwerte in der Gym nach Abklingen der Symptome geben mir recht. Selbst nach einem sehr langen Urlaub ohne Sport waren sie nie dermaßen übel. Ich vermute, ohne eine proteinreiche Ernährung wäre das sogar noch schlimmer ausgefallen.

Proteinreiche Lebensmittel, die mir geholfen haben:

  • Bio-Eier aus den Niederlanden und von den eigenen Hühnern
  • Tofu in sämtlichen Zubereitungsformen
  • Hülsenfrüchte, besonders rote und weiße Bohnen, Linsen, Erbsen
  • Feta (Light-Version) aus Griechenland
  • ab und zu Wildfleisch
  • ab und zu Süßwasserfisch wie Wels

Das gleiche gilt uneingeschränkt für Vitamine und Mineralien. Iss so viel Gemüse und Obst wie nur möglich. Wenn Du ein rasantes Abnehmen bemerkst – ich habe innerhalb einer Woche an die sieben Kilo verloren – höre auf deinen Körper und iss.

Aber konzentriere dich am besten nur auf das gute Zeug.

Ich konnte meinen rasenden Gewichtsverlust aufhalten, indem ich jede Menge Vollkornnudeln und -Reis – also hochwertige Kohlenhydrate – zu meinen Mahlzeiten dazugenommen habe. Falls Du gerade in dieser Phase hängst: Genieße ausnahmsweise das Schlemmen und die guten Sachen und sieh es als Geschenk 🙂

Bist Du mit den Medikamenten gut eingestellt und nimmst an Gewicht zu, musst Du dein Essverhalten wieder anpassen. Wahrscheinlich wird dein Körper von sich aus mit einem geringeren Appetit reagieren. Falls du Angst hast, arg zuzunehmen oder dich unsicher fühlst, checke diesen Artikel.

Bitte beachte: Ich bin keine Ärztin, Heilpraktikerin oder dergleichen, also kein Fachmensch. Alle meine Beiträge basieren auf meinen eigenen Erfahrungswerten und über die Zeit gesammeltem Wissen.

Published inBehandlungErnährung

2 Comments

  1. Heidi Heidi

    Vielen Dank! Gut zusammengefasst!

    • Hi Heidi, danke für dein liebes Feedback. Es freut mich, wenn dir der Beitrag geholfen hat 🙂 Alles Liebe, Caro

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