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Monika und ihr Basedow: Das Interview

Es wird wieder Zeit für ein Interview! Heute berichtet Monika von ihrem Basedow. Die sportliche Mama dreier Kinder hat – genau wie Ina – eine OP hinter sich und es nicht bereut. Und sie hat – wie ich – sogar die Mischform aus Hashimoto und Basedow.

Liebe Monika, möchtest Du uns ganz kurz etwas über dich erzählen?

Hallo, ich bin Monika und bin 50 Jahre alt. Ich habe das Glück, dass ich zuhause bleiben und mich um die Familie (3 Kinder, Freund von der Tochter, 3 Hunde, einen Ehemann) und das Haus kümmern kann. 

Wann wurde der Basedow zum ersten Mal bei dir festgestellt?

Mein MB wurde Anfang 2019 durch eine Kontroll-Untersuchung „gefunden“.

Wie war deine Reaktion bei der Diagnose?

Nach der Diagnose war ich erstmal mehr als erleichtert. 

Ich war immer sportlich und nun konnte ich nicht mal mehr eine Etage Treppe steigen, ohne Sauerstoff-Zelt. Ein gutes Beispiel: Im Sommer 2016 waren wir auf Sylt im Urlaub und da bin ich jeden Morgen am Strand laufen gegangen. Im Sommer 2018 waren wir wieder auf Sylt und ich kam nicht mal den Weg zum Strand hoch, ohne mich nach 30-50 Metern hinzusetzten, weil ich absolut keine Ausdauer mehr hatte. 

Zwei Jahre liegen dazwischen und ich dachte, mein Gott, bin ich in den zwei Jahren so krass gealtert??? Wie soll es erst werden, wenn ich mal 70-80 Jahre alt bin??? 

Angst hatte ich keine, als ich die Diagnose hatte. Habe aber auch nicht alles gelesen, was man im Internet oder in verschiedenen Gruppen findet! Naja, gelesen schon, aber nicht alles auf mich bezogen. 

Was für Symptome hattest Du? Wie hast Du dich gefühlt?

Symptome? Wo fange ich an, wo höre ich auf? Da ich ja nicht wirklich sagen kann, wann das alles genau angefangen hat, ist es schwierig, alle Symptome aufzuzählen. Ich fang mal mit den für mich schlimmsten Symptomen an!


Ich war immer ein großes Arbeitstier. Eine Zeit lang war ich alleinerziehende Mutter, hatte 3 Jobs, einen davon nachts am Wochenende und der Stress machte mir nichts aus! Eher im Gegenteil, ich blühe dann auf. Ich hatte immer viel Energie, die war nun weg.

Ich sag mal, es fiel mir ganz stark Anfang 2019 auf! Wir haben ein Haus geerbt und wir haben es selbstständig entkernt! Ich habe da Böden rausgerissen, Tonnen von Steinen raus geschleppt  und und und. Familie und Hunde mussten auch noch versorgt werden, meinen normalen Haushalt nicht zu vergessen. Hat mir nichts ausgemacht. Mir ging’s gut.

Dann war unsere eigene Arbeit im Haus  im Grunde erledigt, jetzt kamen die Firmen zum „Wieder -Aufbau“ des Hauses. Da kam ich dann wohl etwas zur Ruhe und mein Körper antwortete auf fast 2 Jahre Dauerstress/körperlicher Überbelastung mit dem Haus: „So, jetzt will ich nicht mehr!“

Ich war nur noch müde, konnte aber kaum noch schlafen. Körperlich wie seelisch war ich am absoluten Limit. Es durfte nichts schief laufen, ich bin jedesmal  und ich meine JEDESMAL und SOFORT explodiert! Ich war irgendwie dauerwütend, obwohl mein Kopf sagte: „Entspann dich mal, ist nicht so schlimm.“ Ich konnte einfach nicht anders!! Ich stand jeden Tag kurz vor der Kernschmelze innerlich. Alles tat mir weh, mein Herz raste. Das Schlimmste war aber für mich: extreme Schweißausbrüche und das alle 30-45 Minuten, auch nachts. Und diese krasse „schlechte Laune“. 

Warst du krankgeschrieben?

Wäre ich in einem Arbeitsverhältnis gewesen, hätte ich mich mit allergrößter Sicherheit krankschreiben lassen. Ich würde als Familienhilfe arbeiten und so wäre das gar nicht möglich gewesen.

Nimmst Du derzeit Medikamente? Und falls ja: Welche sind es?

Zur Zeit nehme ich LTHYROXIN ein, da ich am 19. Mai 2020 meine Schilddrüsen-OP hatte! By the way, die beste Entscheidung meines Lebens. Dazu später mehr. Nachdem ich die Erst-Diagnose hatte, bekam ich Thiamazol, ich glaube 40er,  morgens eine. Musste alle 2 Wochen zur Blutentnahme.

Wann konntest Du deine Medikamente zum ersten Mal absetzen?

Ich konnte Thiamazol nie absetzen. Ich war absolut nicht einzustellen. Meine Werte gingen rauf und runter. Irgendwann kam noch die Diagnose Hashimoto dazu. War für mich jetzt nicht so schlimm. Mir ging es aber nicht besser. 

Vertraust Du allein auf den Rat deiner Ärzte oder unternimmst Du selbst auch etwas, um den Basedow zu beruhigen?

Ich vertraue meinen Ärzten total. Meine Hausärztin hat mich zur NUK geschickt, sie ist spezialisiert auf die Schilddrüse. Ich fühlte mich von allen Ärzten ernst genommen und sie haben mir Mut gemacht! Danke dafür.

Wie hat dein Umfeld auf deine Krankheit reagiert?

Meine Familie war auch erleichtert und gleichzeitig froh, dass sie endlich wussten, was mit mir los war. Sie haben wirklich viel ertragen müssen mit mir und haben es auch, ohne zu wissen warum ich so garstig war (das ist noch harmlos ausgedrückt!!). Alle anderen, naja, Schilddrüse halt! „Hat doch fast jeder!“  „Habe ich ja noch nie gehört!!“ Von allen anderen einfach Unverständnis. War mir egal. Denn die, die mir wichtig waren, haben es verstanden und das war das Wichtigste! 

Besitzt Du deine Schilddrüse noch?

Habe keine Schilddrüse mehr.

Hast Du dich einer Operation oder RJT unterzogen?

Ich hatte eine OP, es wurde ALLES entnommen.

Warum hast Du dich für die Operation entschieden?

Ich wollte nicht lange im Krankenhaus liegen und ich wollte, dass das ständige Auf und Ab endlich aufhört. Ich hatte mehrere Knoten und da konnten sie direkt schauen, ob sie gutartig oder bösartig waren. Waren gutartig. Und ich wollte auf Nummer sicher gehen, dass wirklich alles von diesem Mistding raus ist!! Man kann  bei einer RJT nämlich nicht sicher sein, dass die SD jetzt Ruhe gibt. 

Muss man Angst vor Schmerzen haben?

Nein, man muss keine Angst vor der OP haben. Ich habe mich gefreut!

Wie ist der Operationsablauf?

Ich bin dienstags morgens ins Krankenhaus, kam auf mein Zimmer, zog den hübschen OP Kittel und Strümpfe an und wurde in den OP gebracht. Mittags war ich im normalen Zimmer, hatte 2 Drainagen im Hals, nicht schlimm. Bin aufgestanden und auf Toilette gegangen.

Danach habe ich mich angezogen und wollte eigentlich schon raus, zum Rauchen (rauche mittlerweile nicht mehr), aber da kam schon das Mittagessen. Nach dem Essen bin ich aber schon raus, zum spazieren und  rauchen. Am nächsten Vormittag durfte ich Gott sei Dank nach Hause. 

Gab es Komplikationen?

Naja, den Kopf kann man natürlich nicht so bewegen, wie man möchte. Meine Stimme hat leider auch etwas gelitten. Ich konnte einige Monate nicht laut rufen, bei Hunden nicht so gut, aber die Kids haben sich gefreut. Hohe Töne geht gar nicht. Laut kann ich wieder, nur die hohen Töne klappen noch nicht. Da bin ich bei einer Sprachtherapeutin. Da ich keine Sängerin bin, ist es nicht so wichtig. 

Würdest Du es wieder machen?

Ich würde mich immer wieder so entscheiden! Mir gehts besser, nicht so wie früher, aber viel besser! Bin belastbarer, nicht mehr so „schlecht-gelaunt“. Kein Herzrasen mehr. Keine Schweißausbrüche mehr. Naja, stimmt nicht so ganz, Schweißausbrüche waren irgendwann wieder da. MB hat die Wechseljahre ausgelöst, vielleicht auch nicht, bin ja nun auch in dem Alter, wo die kommen können. Meine Ärzte vermuten es. 

Bestimmt der Basedow deinen Alltag merklich oder hat sich für dich nur wenig geändert?

Ja, Basedow beeinflusst meinen Alltag, ich gehe jedem Stress aus dem Weg. Wenn ich Stress habe, merke ich es körperlich, mein Allgemeinbefinden ist schlechter, bin ausgelaugter und müder.

Hast Du den Eindruck, Morbus Basedow ist im Vergleich zum Hashimoto eher unbekannt?

Ja, Hashimoto kennen viele. Morbus Basedow keiner! Ich meine wirklich keiner.

Ja, Hashimoto habe ich schon mal gehört, irgendwas mit der Schilddrüse.

Was ist deine größte Sorge bezüglich deines Basedow?

Meine größte Sorge? Wenn ich ehrlich bin, mache ich mir nicht wirklich große Sorgen. Manchmal denke ich an meine Augen, aber ich mache mich nicht verrückt, das wäre Stress. 

Und was ist deine größte Hoffnung?

Meine größte Hoffnung ist, dass es nicht mehr so schlimm wird!!

Was würdest Du den „Basedow-Frischlingen“ unter uns raten?

An die „Frischlinge“: Macht euch nicht verrückt. Lest nicht so viel bei Dr. Google! Geht Stress aus dem Weg. Das Wichtigste, sucht Euch Ärzte, die Euch ernst nehmen und die Ahnung haben, denen ihr vertraut! Sprecht mit Betroffenen und findet euren eigenen Weg.

Hast Du noch ein paar abschließende Worte, eine Botschaft für alle Schmetterlinge auf dieser Welt?

Liebe MBler, bitte seid stark und lasst Euch nicht von der restlichen Welt  unterkriegen! Man kennt unsere AI nicht. Versucht zu erklären, egal wie oft. Und wenn es Menschen gibt, die es nicht verstehen wollen: Versucht, denen auszuweichen. 


Vermeidet vor allen Dingen STRESS!!! Wünsche Euch allen, dass es besser wird! 

Danke liebe Monika, dass Du deine Erfahrungen mit uns geteilt hast! Alles Gute dir! 🙂

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