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Linda und ihr Basedow – Episode 4

Willkommen zum vierten und finalen Teil unserer Interviewserie mit Linda, in der sie ihre Erfahrungen mit Morbus Basedow teilt!

Heute gibt sie unter anderem den Newbies unter uns wertvolle Tipps, wie diese mit der neuen Situation umgehen sollten.

Hier geht es zu Teil 1 der Serie, hier findest du Nummer 2 und hier Nummer 3. Viel Spaß! 🙂

Linda, würdest Du sagen, Morbus Basedow hat dein Leben verändert?

Auf jeden Fall. Ich glaube, der Basedow musste kommen um mir zu sagen: „Du übertreibst! Du lebst zu schnell, Du denkst nicht genug an dich!“

Das Leben ist nicht nur gesunde Ernährung, es gehört vieles dazu. Zum Beispiel Schlaf. Sieben, acht Stunden. Das ist wichtig für die Nebennieren, für die Hormone.

Neues Land (Anmerkung: Linda kam vor 8 Jahren aus Polen nach Deutschland), neue Stadt, neue Arbeit, ein Jahr Fernbeziehung davor … Das war Stress. Dieses ganze Organsieren, Hin- und Herfahren etc. Man musste einfach an so viel denken, so viel organisieren und ich kam an meine Grenzen. Ich war erschöpft, so richtig. Erschöpft und gleichzeitig voller Tatendrang.

Im Vergleich zu „Hashimotos“ gibt es wenige Basedow-Betroffene, oder?

Ja.

Man kennt nicht so Viele mit Morbus Basedow und man kann sich schlecht austauschen. Meine Freundinnen haben alle Hashimoto, aber das ist anders als wenn man sich mit jemandem unterhält, der Basedow hat. „Hashis“ sind eher müde, träge. Sie sind schon anders, die müssen sich überwinden, irgendwas zu machen.

Mein Endokrinologe meint, verdächtig viele Polen sind erkrankt … vor allem aber mit Hashimoto.

Vielleicht liegt es an Tschernobyl, denn wir haben die Atomwolke schnell abbekommen. Ich war damals 5 und Polen war das einzige Land in ganz Europa, das allen Einwohnern Jod gegeben hat, die Entscheidung wurde von heute auf morgen getroffen. Vielleicht war das auch nicht so ganz gut. Das kann man nie wissen. Vielleicht hab ich zuviel von dem Jod als Kind abbekommen.

Ich habe in Berlin übrigens dreimal in sechs Jahren die Praxis gewechselt. Jetzt bin ich bei einem Arzt, der eine gute Einstellung hat, der alles ruhig und locker angeht – und nicht gleich die OP will.

Was würdest du Basedow-„Neulingen“ raten?

Ich würde auf jeden Fall einen guten Hausarzt, Endokrinologen und Immunologen einbeziehen.

Und diverse Werte überprüfen lassen. Mineralien, Vitamine, Großes Blutbild, Lymphozyten. Der Immunologe prüft noch weitere Entzündungswerte. Denn hat man eine Autoimmunerkrankung, zieht diese oft noch andere nach sich. Es kann also sein, dass man mehrere Entzündungsherde im Körper hat. Es kann also nicht schaden, das mal überprüfen zu lassen.

Man sollte zur Ruhe kommen. Überlegen, was im Leben wichtig ist. Welche Aktivitäten man nicht mehr machen soll, mit welchen Menschen man nicht mehr in Kontakt sein muss. Ich glaube, das ist ganzheitlich. Warum nicht auch mal einen Heilpraktiker, Homöopathen oder Chinesische Medizin ausprobieren?

Eine gute Ernährung ist sinnvoll, man sollte Intoleranzen prüfen lassen und erst dann die Ernährung anpassen, wenn da was gefunden wurde. Zum Beispiel Zölikaie (Glutenunverträglichkeit).

Sich nicht so sehr stressen, das ist wichtig. Zum Beispiel stresst auch das Autoimmunprotokoll, weil man auf so viel verzichten und auf so viel achten muss.

Foren und Blogs wie „Basedow und Ich“ zu lesen, das ist ebenfalls sehr wertvoll.

Together we are strong!

Im Gegensatz zu Hashimoto fehlt bei Morbus Basedow eine große Bloglandschaft. Weil es nicht so ganz bekannt ist.

Auch das Umfeld ist wichtig. Mein Freund und meine Mama haben sehr viel Verständnis für die Krankheit, haben sich auch selbst informiert und wissen, dass der Basedow etwas Ernstes ist.

Man sollte einfach das machen, was einem Spaß macht, beruflich wie privat. Sich entspannen, mehr Zeit in der Natur verbringen, denn die beruhigt. Ob Park, Wald oder See. Oder wenn das nicht geht, einfach nach der Arbeit spazieren gehen. Das mache ich auch. Einfach eine halbe, dreiviertel Stunde raus.

Sich informieren ist gut, aber man sollte nicht übertreiben und nicht alles auf einmal angehen. Das würde ich auch raten. Man sollte einfach den optimalen Weg für sich selbst wählen. Zum Beispiel: Wenn man Homöopathie macht, dann nicht noch zusätzlich TCM und dann noch Autoimmunprotokoll oben draufsetzen. Das stresst. Das ist Quatsch. Würde ich auch nie machen.

Ich würde dem Körper die Chance geben, sich zu regenerieren. Wenn man sich wohlfühlt, das Herz nicht geschädigt ist, wenn die anderen Organe ok sind, dann kann man es erstmal ein paar Monate mit kleinen Dosen Hemmern probieren. Und erst dann die OP oder Radiojodtherapie als allerletzte Möglichkeit wählen.

Danke Linda, für deine Offenheit und all die Erfahrungen mit dem Morbus Basedow, die Du in dieser Interviewserie mit uns geteilt hast! 🙂

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