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Die Behandlung des Morbus Basedow

Du kannst es auch in zahlreichen anderen Quellen des World Wide Web lesen: Schulmedizinisch wird unser Basedow zunächst mit zwei Mitteln behandelt.

a) Schilddrüsenblocker (Thyreostatika): Thiamazol, Carbimazol, Propycil, auch Irenat bzw. Natriumperchlorat

b) Beta-Blocker (senken die Herzfrequenz): vielfältige Möglichkeiten, z.B. Obsidan

Das ist der klassische Weg, der auch bei mir zum Einsatz kam und kommt.

Ich möchte Dir hier erzählen, wie man sich mit diesen Medikamenten fühlt, was für Probleme auftreten können und warum Du keine Angst zu haben brauchst.

Thiamazol, Carbimazol und Propycil: Die Platzhirsche

Mein erster Schilddrüsenblocker war Thiamazol. Dieses wird Dir in aller Regel zuerst verschrieben, denn es hat (im Großen und Ganzen) geringere Nebenwirkungen als Propycil. Ich hatte allerdings Pech: Gleich zwei der typischen Zusatzfreuden traten bei mir auf. Juckreiz und, was viel schlimmer war, schlechte Leberwerte.

Du musst wissen, Thyreostatika werden in der Leber verstoffwechselt. Daher ist diese auch ein gefährdetes Organ, wenn Du diese Medis nimmst.

Dein Hausarzt bzw. Endokrinologe oder Nuklearmediziner wird sicher dran denken, aber falls er es nicht tut: Bestehe darauf, bei deinen Blutkontrollen auch die Leberwerte mitzuprüfen. Wichtig!

So musste ich dann nach zwei Wochen auf die Ausweichmöglichkeit zurückgreifen: das Propycil. Lange Zeit war es in der Behandlung des Basedow Standard, wurde dann aber von Thiamazol abgelöst. Und das hatte einen guten Grund:

Du wirst sicher irgendwo lesen, dass Propycil stärkere Nebenwirkungen hat haben kann als das Thiamazol. Besonders auf – Überraschung, Überraschung – die Leber! In den USA sind schon mehrere Menschen an diesen Nebenwirkungen gestorben. Und dann sollte ich dieses Medikament nehmen, obwohl meine Leber schon angeschlagen war? Du kannst Dir vorstellen, dass mich der Gedanke nicht sonderlich erbaut hat.

Aber es ist tatsächlich so, dass einige Menschen das Propycil besser vertragen als Thiamazol, auch und gerade mit der Leber. Die Natur kann schon manchmal eigenartig sein. Und bei den Todesfällen in den USA war es wohl auch so, dass die Leute das Propycil über mehrere Monate ohne Blutkontrollen eingenommen haben.

Das wird Dir hierzulande mit einiger Sicherheit nicht passieren, denn:

Gerade in den ersten Monaten wirst Du regelmäßig zur Blutkontrolle rennen müssen, und damit meine ich etwa alle ein bis zwei Wochen.

Damit prüft dein Arzt, ob die Medikamente anschlagen und wie gut, danach passt er dann deine Dosis an. Und natürlich sollten die Leberwerte mit überwacht werden. Verhindert Todesfälle wie in den USA.

Ein Wort noch zu Carbimazol

Es ist nichts weiter als die inaktive Form des Thiamazol und wird vom Körper entsprechend in Thiamazol umgewandelt. Theoretisch soll es daher die gleichen Wirkungen und Nebenwirkungen haben wie seine aktive Form, aber ich denke mir, wozu dann unterscheiden? Da tappe ich leider auch im Dunkeln. Dein Arzt weiß mit Sicherheit mehr. Ich habe nur Gerüchte gehört, dass dadurch, dass es eine Vorstufe ist und erst zu Thiamazol umgewandelt werden muss, die Leberbelastung etwas höher ausfällt.

An dieser Stelle kommt noch ein kleiner Unbekannter ins Spiel, der mir buchstäblich die Schilddrüse gerettet hat: Natriumperchlorat, besser bekannt unter dem Namen Irenat.

cooler hund

Irenat: Der Underdog

Irenat gehört ebenfalls zu den Thyreostatika, wird heutzutage aber praktisch gar nicht mehr eingesetzt. Zu gut ist die Verträglichkeit der Großen Zwei/Drei (Thiamazol/Carbimazol und Propycil). Naja. Jedenfalls für fast jeden.

Da meine Leber weder Thiamazol noch Propycil vertrug, verordnete mein Arzt mir Irenat als letzten Ausweg. “Es schmeckt wirklich scheußlich”, warnte er mich. Als hätte mich das gejuckt, mit einer drohenden OP im Rücken! Ich bekam die Höchstdosis verordnet, 3 mal 15 Tropfen täglich. Vor der ersten Einnahme hatte ich wirklich Respekt, schnupperte misstrauisch und stellte vorsichtshalber ein großes Glas Wasser zum Spülen in die Nähe.

Hinterher verstand ich die Aufregung nicht. Ja, es ist supersauer und erfreut deinen Rachen mit einem sauer-bitteren Nachgeschmack, der ordentlich brennt. Aber ehrlich, ich habe reinen Löwenzahnsaft getrunken, und wenn es um den Ekelfaktor geht, ist Irenat dagegen ein Witz. Dennoch hab ich mit dem Wasserglas nachgespült, denn es brennt wirklich ganz gut.

Irenat wirkt anders als die Großen Drei.

Während Thiamazol und Propycil das Enzym Peroxidase hemmen, nimmt Irenat sich das Jod vor und verhindert, dass es zur Schilddrüse gelangt. So fehlt dieser der Baustoff zur Hormonherstellung.

Und: Irenat wirkt sofort, während die Großen Drei für einen Wirkungseintritt eine gute Woche brauchen.

Ich liebe dieses Zeug dafür, dass es meinen Basedow endlich nebenwirkungsfrei unter Kontrolle hat. Und das bei einem Medikament, das eigentlich viel schlechter verträglich ist als die Konkurrenz (Lies mal die möglichen Nebenwirkungen. Hallejuhja.) Aber mein Körper wollte es so! So ist es manchmal. Du wirst Irenat mit 99-%iger Wahrscheinlichkeit entweder vor einer OP oder aber als Zusatz zu Thiamazol, Carbimazol oder Propycil kennenlernen (da es deren Wirkung verstärkt). Oder gar nicht.

Betablocker beruhigen dein Herzrasen

Nun noch zu den Betablockern: Die gibt es in den verschiedensten Formen, ich hatte Obsidan. Habe es allerdings nur in der Akutphase während der ersten zwei Tage genommen, und auch nur ein Viertel der möglichen Dosis. Da ich mich kaum bewegt (und damit mein Herz geschont) habe, hat mir das gereicht.

Ich weiß, es ist unwissenschaftlich, aber ich finde Betablocker gruselig. Wie sie so den Herzschlag heruntersetzen. Ich habe immer das Gefühl, dass mein Herz davon stehenbleibt, was natürlich albern ist 😀

Aber hey, ich habe die Betablocker nicht so dringend gebraucht. Nichtsdestotrotz muss ich auch zugeben, dass sie in der Akutphase wirklich ein Segen waren. Hab also keine Angst vor ihnen.

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Bitte beachte: Ich bin keine Ärztin, Heilpraktikerin oder dergleichen, also kein Fachmensch. Alle meine Beiträge basieren auf meinen eigenen Erfahrungswerten und über die Zeit gesammeltem Wissen.

Published inBehandlungFakten und Wissen

Ein Kommentar

  1. Claudi Claudi

    Hallo Caro.
    Dein Artikel ist sehr gut geschrieben.
    Mir ging es ähnlich. Erst bekam ich Carbimazol. Das endete nach einer Woche mit einer heftigen Allergie.
    Mein Arzt meine wenn ich darauf so allergisch sei, brauche ich Thiamazol gar nicht erst probieren.
    Seither nehme ich Irenat und vertrage das ganz gut bis jetzt.
    Im Beipackzettel steht „nicht unverdünnt“ einnehmen. Ich nehme ein Schnapsglas halbvoll mit Wasser, tropfe das Irenat rein, und runter damit. Es ist von der Wirkung her vermutlich egal, ob man Irenat und Wasser nacheinander schluckt oder gleichzeitig. Es ist aber im Mund verdünnt mit Wasser erträglicher als pur auf einem Löffel. Und man verdaddelt weniger. Probier’s mal.
    Viele Grüße, Claudi

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