Zum Inhalt springen

Die Augen des Basedow: Symptome und Therapie

Glubschaugen. Endokrine Orbitopathie. Augenbeteiligung. Wenn Du von Morbus Basedow betroffen bist, hast Du von diesen Begriffen hundertprozentig schon etwas gehört. Tatsächlich gilt die größte Angst vieler Basedow-Betroffener ihren Augen. Was es mit den Glubschaugen auf sich hat, woher sie kommen und wie wahrscheinlich es ist, dass auch Du sie bekommst – darum geht’s im heutigen Artikel.

Die Endokrine Orbitopathie: ein Leitsymptom des Basedow

Die hervortretenden Augen gelten als eines der typischsten Symptome des Morbus Basedow. So typisch, dass sie bereits vom Namensgeber Carl von Basedow als eines der auffälligsten Symptome und Teil der „Merseburger Trias“ beschrieben wurde.

Dabei treten die Augen – wie die wenig schmeichelhafte Bezeichnung des Symptoms bereits sagt – aus ihren Höhlen hervor. Dem Betroffenen verleihen sie damit ein Aussehen, das diesen psychisch sehr stark belasten kann. Je nach Ausprägung. Und das kann ich total nachvollziehen. Mich würde das auch belasten.

basedow augen

Es müssen nicht immer Glubschaugen sein

Richtig gelesen. Eine endokrine Orbitopathie sagt erst einmal „nur“ aus, dass die Augen vom Basedow betroffen sind. Wie schwer und mit welchen Auswirkungen, das wird mit diesem Begriff nicht festgelegt!

Ein Großteil der Basedowler hat eine Augenbeteiligung

Die schlechte Nachricht: Einige Untersuchungen sind zu dem Schluss gekommen, dass über 80 % von uns eine Augenbeteiligung entwickeln. Der Zeitpunkt ist dabei mehr oder weniger zufällig. Das Ganze kann sich zu Diagnosebeginn, während der Behandlung oder sogar in der Remission entwickeln, wenn an sich schon wieder alles gut und der Basedow unter Kontrolle ist.

Was passiert beim „Glubschaugensyndrom“?

Wie Du bestimmt weißt, hast Du bei einem Morbus Basedow die sogenannten TRAK: Antikörper, die sich an den TSH-Rezeptoren in deiner Schilddrüse festsetzen.

Leider befinden sich diese Rezeptoren, die Opfer der TRAK, nicht ausschließlich dort. Sie sind beispielsweise auch in deinen Muskeln und Knochen vorhanden, wenn auch in sehr viel geringerer Zahl.

Und in deinen Augenhöhlen.

Die TRAK finden ihre Opfer, greifen sie an und lösen so eine Entzündung aus. Du weißt, was nun passiert: Das entzündete Gewebe schwillt an. Aber durch die Schädelknochen ist es in der Augenhöhle ziemlich eng. Wohin soll das Auge also ausweichen? Absolut richtig – nach draußen. Ein Glubschauge entsteht.

Zusätzlich können die Entzündungen mit der Zeit vernarben. Vernarbtes Gewebe ist allerdings auch ziemlich dick, sodass auch dieses die Augäpfel nach außen drücken kann.

Symptome der Endokrinen Orbitopathie

Das „Glubschaugenphänomen“ ist vielleicht das markanteste Symptom einer Augenbeteiligung bei Basedow, aber längst nicht das einzige. Hinzu kommen:

  • unterschiedlich ausgeprägtes Schielen
  • Kopfschmerzen
  • trockene und brennende Augen (zum Beispiel, wenn Du das Lid durch die hervorgetretenen Augen nicht mehr richtig schließen kannst)
  • Druckgefühl hinter den Augen
  • vermehrter Tränenfluss
  • ein verschwommenes oder verwaschenes Sichtfeld
  • Doppelbilder
  • das Gefühl, einen Fremdkörper im Auge zu haben
  • im extremsten Fall: Erblindung, wenn der zu hohe Druck in der Augenhöhle den Sehnerv in Mitleidenschaft zieht (Keine Angst! So weit kommt es super selten!)

Die Augen können auch unterschiedlich stark betroffen sein. Manchmal macht auch nur eines Probleme und das andere gar nicht. Die Ausprägungen der Symptome sind total verschieden.

basedow augen

Wer stellt eine Augenbeteiligung fest?

Schlussendlich der Augenarzt. Mein Endokrinologe hat mich aber auch nach Beschwerden mit den Augen gefragt.

Ich hatte in der allerersten Zeit nach der Diagnose Schwierigkeiten, diffuse Objekte in strahlend hellem Licht richtig zu erkennen. Zum Beispiel im Wind tanzende Blätter, die von der Mittagssonne angestrahlt werden. Das war alles … Zum Augenarzt musste ich deswegen nicht, und mit der Besserung meiner Blutwerte besserte sich auch dieses Problem. Du siehst also, eine Augenbeteiligung kann auch super harmlos verlaufen, so wie bei mir. Und das tut sie bei vielen!

Kommst Du mit deinen Symptomen zum Augenarzt, wird er viele Untersuchungen mit Dir durchführen. Zum Beispiel misst er die Öffnung deiner Lidspalte und deinen Augeninnendruck.

Wie sieht die Therapie aus?

Ein schwieriges Thema. Manch einer sagt, die Endokrine Orbitopathie kann gar nicht therapiert werden. Ansonsten wird die Augenbeteiligung aber mit dem gesamten Basedow „mit therapiert“, da beide Eins sind und das Eine das Andere bedingt.

„Konventionelle Therapie“

In erster Linie wird zunächst auf die Schilddrüsenhemmer gesetzt, die Thyreostatika. Also die normale medikamentöse Behandlung, die Du ohnehin erhältst. Damit hast Du schon gute Chancen auf Besserung – bei mir hat es auch geklappt.

Hilft das nicht und sind deine Symptome ausgeprägt, wird dein Arzt Dir vermutlich zu einer OP raten. Hier sind die Ergebnisse leider auch nicht fest vorherzusagen. Bei sehr vielen Betroffenen bessert sich die Augenbeteiligung schlagartig. Häufig so sehr, dass die Beschwerden völlig verschwinden. Bei manch einem wird die Endokrine Orbitopathie jedoch auch schlimmer. Man kann es leider nicht vorhersagen. Nach allem was ich gehört habe, scheint es jedoch mehr Menschen zu geben, denen es nach der OP besser geht.

Ansonsten wird manchmal Kortison verschrieben, vor allem bei schweren Entzündungen in der Augenhöhle.

Ein letzter Ausweg wären natürlich auch „korrigierende OPs“, die zum Beispiel den Augenmuskel begradigen oder das Augenlid wieder zurechtrücken.

Was außerdem helfen kann!

Zudem kann die Einnahme von Selen und Vitamin D Dir helfen. Mach aber vorher auf jeden Fall einen Bluttest und besprich das Ganze mit deinem Arzt.

Erfahrungsberichten zufolge helfen übrigens auch Kurkuma und Ashwaganda! Bitte bedenke: Die Wirkung dieser beiden ist bisher noch nicht wissenschaftlich belegt. Das muss aber nicht heißen, dass dies nicht noch nachgeholt wird. Schließlich kann die Wissenschaft auch nicht alles auf einmal machen 😉 Einen Versuch könnte es auf jeden Fall wert sein, angesichts vieler positiver Erfahrungsberichte.

Manch ein Betroffener berichtet auch davon, dass er Stress zuerst an den Augen bemerkt. Auch das kann sein! Beim Basedow „spüren“ die meisten in Stresssituationen eher Herz und Schilddrüse, aber auch das Auge kann darauf reagieren. Also: Probiere, deinen Alltagsstress zu reduzieren.

Rauchst Du? Dann hast Du eine wirksame Therapiemöglichkeit bereits direkt vor deiner Nase. Auch wenn es schwer ist: Versuche, mit dem Rauchen aufzuhören. Denn die freigesetzten Schadstoffe befeuern nicht nur den Entzündungsprozess – das Gewebe wird auch schlechter mit Sauerstoff versorgt.

Du siehst, der Umgang mit der Endokrinen Orbitopathie ist eine Herausforderung. Aber mit den heutigen Möglichkeiten gibt es sehr viele Wege, zu helfen.

Ich habe gegen die Helligkeit draußen auch sehr häufig eine Sonnenbrille getragen. Aber das nur am Rande.

Und die Prognose?

Du ahnst es sicher: Ungewiss. Wenn es ein Symptom des Basedow gibt, das sich nicht in die Karten schauen lässt, dann ist es die Endokrine Orbitopathie. Sie kann jederzeit auftreten, in hunderten unterschiedlichen Ausprägungen. Therapieansätze helfen häufig, aber leider nicht bei allen Betroffenen.

Aber es ist gut, wenn Du ganz realistisch über das Problem „Augenbeteiligung“ bescheid weißt. Und es ist ganz wichtig, dass Du Dir der Komplexität des Themas bewusst bist. Dass Du damit rechnest, dass sich auch zum Beispiel nach einer OP möglicherweise keine Besserung einstellt. Und dass Du bereit bist, viele unterschiedliche Therapiemöglichkeiten auszuprobieren, bis Du eine gefunden hast, die Dir und deinem Körper hilft. Das kann durchaus Ausdauer erfordern, lohnt sich aber.

Und vergiss nicht: Die Chancen stehen ausgezeichnet, dass Du nur sehr leichte Symptome einer Augenbeteiligung entwickelst. So leichte, dass Du von ihnen sogar kaum etwas mitbekommst. Obendrein ist es sehr gut möglich, dass deine Symptome sogar schon im Rahmen deiner „normalen“ Basedow-Therapie verschwinden. Es gibt wahnsinnig viele Erfolgsgeschichten da draußen, Erfolgsgeschichten von Basedowlern, die selbst eine ausgeprägte Endokrine Orbitopathie in den Griff bekommen haben.

Also: Blicke positiv in die Zukunft und bewahre Dir immer deinen Optimismus. Das ist ohnehin die beste Medizin.

Bitte beachte: Ich bin keine Ärztin, Heilpraktikerin oder dergleichen, also kein Fachmensch. Alle meine Beiträge basieren auf meinen eigenen Erfahrungswerten und über die Zeit gesammeltem Wissen.

Published inBehandlungDer BasedowSymptome und Diagnose

2 Comments

  1. Steffi Baehr Steffi Baehr

    Kleine Anmerkung: Bei einer Augenbeteiligung wird von einer RJT abgeraten.

    Grüße Steffi

    • Huhu liebe Steffi! Danke für’s bescheid geben! Was für ein dummer Verschreiber 😀 Ist korrigiert! Danke dir und viele liebe Grüße 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.