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Hilfe, ich bin in die Unterfunktion gerutscht!

Was hat eine Schilddrüsenunterfunktion auf einem Blog zum Morbus Basedow zu suchen, fragst Du dich? Auf den ersten Blick ist das doch ein kompletter Widerspruch! Beim genaueren Hinsehen ist das aber gar nicht so abwegig. Denn durch deine Medikation kannst Du von einer Überfunktion in die Unterfunktion rutschen.

Wie kann das passieren?

Deine Schilddrüsenhemmer – ob Thiamazol, Carbimazol, Propycil oder Irenat – machen ihrem Namen alle Ehre. Sie drosseln den übermäßigen Arbeitseifer deiner Schilddrüse 😉 Dein Arzt überwacht diesen Prozess im Normalfall mit engmaschigen Blutkontrollen und passt die Dosis an – je nachdem, wie stark deine Schilddrüse auf die Hemmer reagiert. Dennoch kann es manchmal passieren, dass die Hemmer ihren Job einen Tick „zu gut“ machen und deine Schilddrüse so weit drosseln, dass sie sogar zu wenig Hormone produziert. Willkommen in der hemmerinduzierten Schilddrüsenunterfunktion!

Basedow Unterfunktion

Was sind die Symptome?

Du ahnst es: In einer hemmerinduzierten Unterfunktion wirst Du die typischen Anzeichen einer zu schwachbrüstigen Schilddrüse erkennen. Sie sind zu 90 Prozent das genaue Gegenteil von dem, was Dir von deinem Basedow vertraut ist:

  • Abgeschlagenheit
  • Müdigkeit
  • Gewichtszunahme (häufig obwohl Du sogar weniger isst)
  • Antriebslosigkeit
  • Ausbleiben der Periode
  • Frieren, kalte Hände und Füße
  • Kraftlosigkeit

Gerade, wenn Du schon längere Zeit an die Überfunktion gewöhnt warst, kannst Du dich mit einer Unterfunktion richtig dreckig fühlen.

Ist das schlimm?

Es ist nicht schön, aber auch nicht das Ende der Welt. In der Regel wird dein Arzt entweder die Hemmerdosis stark reduzieren, ausschleichen oder die Medikamente sogar pausieren bis ganz absetzen.

Die Hoffnung ist, dass deine Schilddrüse dann langsam wieder hochfährt. Dieser Zeitpunkt muss genau abgepasst und beobachtet werden, um die Medikamentendosis dann erneut anzupassen. Und zwar so, dass Du weder in der Unter- noch in der Überfunktion landest! Das kann ganz schön kompliziert sein und ein anstrengendes Hin und Her für dich bedeuten. Manch ein Körper lässt sich einfacher mit den Medikamenten einstellen, manch einer reagiert auf die kleinsten Dosisschwankungen sehr sensibel.

Was Du tun kannst

Basedow Unterfunktion

Reduktion der Medikamente

In erster Linie natürlich nach Absprache mit deinem Arzt die Hemmer reduzieren. Eventuell verschreibt er Dir sogar ein Schilddrüsenhormon, um die fehlenden Hormone zu ersetzen – so, wie es normalerweise zum Beispiel bei Hashimoto-Patienten gemacht wird, deren Schilddrüse nicht mehr ausreichend Hormone produziert.

Zweitmeinung

Ganz ehrlich, hol Dir ruhig auch eine Zweitmeinung ein – vor allem dann, wenn Du dich mit den Maßnahmen nicht wohl fühlst. Ich selbst bin mit meinen Medikamenten ebenfalls in eine Unterfunktion gerutscht und habe sie ziemlich drastisch reduziert bis zum Absetzen.

Das soll an dieser Stelle aber keine Empfehlung sein! Es könnte sein, dass dies auch für dich funktioniert. Ebenso gut könnte es aber auch passieren, dass Du damit sehr schnell zurück in die Überfunktion kommst.

Es hängt total von Dir und deinem Körper ab. Für mich war das Vorgehen auch deshalb richtig, weil ich vor dem Basedow einen Hashimoto hatte – und damit eine höhere Anfälligkeit für eine Unterfunktion.

Mängel prüfen

Lass dein Blut auch auf Vitamin- und Mineralienstatus checken. Vieles davon musst Du aus eigener Tasche zahlen, aber es lohnt sich. Denn mit einer schlechten Vitalstoffversorgung hat es dein Körper viel schwerer, sein hormonelles Gleichgewicht wiederzufinden.

Das gilt vor allem bei Autoimmunkrankheiten. Und damit nicht genug. Als „Autoimmunkranker“ hast Du in aller Regel einen höheren Verbrauch an Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen. Daher ist es wahrscheinlich, dass Du an mindestens ein, zwei Stellen ein Defizit hast. Sinnvoll zu überprüfen sind:

Grundumsatz erhöhen

Es ist schon schwer genug, nicht übermäßig zuzunehmen, wenn Du ganz „normal“ aus einer Überfunktion zurück in eine optimale Schilddrüsenaktivität kommst. Das Problem verschärft sich, wenn Du sogar in die Unterfunktion abdriftest. Denn dann schaltet dein Körper auf Sparflamme und verbraucht noch weniger Energie. Die Folge: Fettpölsterchen, die sich nicht jeder von uns wünscht.

Baue bewusst Aktivität in deinen Alltag ein. Du kennst die Ratschläge: Treppen laufen, eine Station früher aussteigen und den Rest laufen, das Auto weiter weg parken.

Meine Faustregel: 10.000 Schritte täglich plus etwa 20 Minuten Kraftübungen, wie beispielsweise Liegestütze oder Kniebeugen. Belies dich am besten in meinem ausführlichen Beitrag zur Gewichtszunahme nach der Ruhigstellung des Basedow. Das Thema ist komplex, und dort findest Du wichtige Informationen.

Renkt sich das wieder ein?

In aller Regel ja, keine Sorge. Achte darauf, regelmäßig zur Blutkontrolle zu gehen und beherzige die Maßnahmen, die ich dir oben genannt habe 🙂

Das Ganze kann eine langwierige Angelegenheit werden, je nachdem, wie dein Körper vor allem auf die Hemmer reagiert. Aber lass dich davon nicht unterkriegen. Dein Basedow hatte höchstwahrscheinlich lange Zeit, sich zu entwickeln. Gestehe deinem Körper darum auch mindestens genauso viel Zeit zu, sich wieder einzupendeln und zu beruhigen. Er hat es verdient.

Bitte beachte: Ich bin keine Ärztin, Heilpraktikerin oder dergleichen, also kein Fachmensch. Alle meine Beiträge basieren auf meinen eigenen Erfahrungswerten und über die Zeit gesammeltem Wissen.

Published inBehandlungFakten und Wissen

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