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Radiojodtherapie bei Basedow: Ja oder Nein?

Die Radiojodtherapie gilt neben der OP als eine der beiden möglichen „endgültigen Therapien“ bei Morbus Basedow. Endgültig deshalb, weil sie die Symptome ein für alle Mal aus der Welt schaffen (sollen), sodass Du dein Leben lang Ruhe davor hast. Ganz so einfach ist das allerdings nicht, gerade bei der Radiojodtherapie, kurz: RJT.

Letzte Woche bin ich in einem eigenen Beitrag bereits ausführlich auf die Vor- und Nachteile einer Operation eingegangen. Hier geht’s zum Artikel. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass die Operation etwas häufiger durchgeführt wird als eine RJT.

Was ist eine Radiojodtherapie?

Bei der RJT schluckst Du eine kleine Menge radioaktives Jod. Meistens in Form von Kapseln. Das Prinzip ist an sich genial, denn es gibt nur einen Ort im Körper, wo das Jod aufgenommen werden kann: die Schilddrüse. Oder genauer gesagt, die aktiven Schilddrüsenzellen, denn sie benötigen Jod, um daraus ihre Hormone herzustellen. Das radioaktive Jod wirkt aber wie ein vergifteter Köder. Denn sobald die Zellen es aufnehmen, werden sie durch seine Strahlung so nachhaltig geschädigt, dass sie „Selbstmord“ begehen. Man nennt das „programmierten Zelltod“, oder auf Schlau: Apoptose.

Dadurch, dass das Jod nur von aktivem Schilddrüsengewebe aufgenommen wird, kann man dieses ganz gezielt zum Absterben bringen. Am Ende ist es der gleiche Effekt wie bei einer OP, nur dass bei der OP das Gewebe herausgeschnitten wird.

Basedow Radiojodtherapie

Vorteile der Radiojodtherapie

Der größte Vorteil liegt auf der Hand: Es ist keine Operation nötig. Du entgehst mit der RJT sämtlichen OP-Komplikationen – keine Nachblutungen, keine mögliche Verletzung von Stimmbändern oder Nebenschilddrüsen, keine Narbe. Und natürlich keine Narkose. Der Eingriff an sich ist so einfach – Du musst nur eine Kapsel schlucken.

Hohe Erfolgsquote

Wie bei der OP auch handelt es sich um einen „endültigen“ Eingriff: Die Symptome der Überfunktion sollten also für immer verschwinden. Die RJT verbucht in diesem Bereich eine Heilungschance von 90 %!

Wirkt auf den Punkt genau

Schön finde ich persönlich, dass wirklich nur „das nötigste“ entfernt wird, also aktives Schilddrüsengewebe. „Aktiv“ heißt im Fall unseres Basedow übrigens wohl eher „überaktiv“ … Und wie gesagt. Benachbarte Organe wie die Nebenschilddrüsen können keinen Schaden nehmen.

Struma wird kleiner

Ein eventueller Kropf (Struma) kann sich zurückbilden, sofern dieser aus aktiven Zellen besteht. Handelt es sich hingegen um inaktives Strumagewebe, „kalte Knoten“, etc., ist die OP in der Hinsicht aber wirkungsvoller. Denn inaktives Gewebe wird durch das Radiojod ja nicht zerstört.

Keine Belastung durch eine Narkose

Ganz allgemein ist die Radiojodtherapie eine ausgezeichnete Alternative, falls ein chirugischer Eingriff nicht möglich sein sollte. Nicht jeder ist beispielsweise gesundheitlich so stabil, dass er eine Vollnarkose verkraftet. Oder vielleicht möchtest Du auch ganz einfach keine OP, keine Narbe oder keine Vollnarkose! Auch dann ist die RJT eine ideale Lösung.

Basedow Radiojodtherapie

Nachteile der Radiojodtherapie

Ganz klare Nummer 1: das Image. Wer „radioaktiv“ hört, der denkt häufig sofort an Krebs. Dazu gehöre übrigens auch ich! Als ich das erste Mal von der „Radiojodtherapie“ gehört habe, war mein erster Gedanke „Ja, geil. Und 15 Jahre später hast du dann Krebs.“ Studien zufolge scheint diese Angst glücklicherweise unbegründet. Weiter unten im Artikel gehe ich etwas genauer darauf ein.

Wirkung tritt nicht sofort ein

Zweitens: ein verzögerter Wirkungseintritt. Während das problematische Gewebe nach einer OP direkt weg ist, zersetzt es sich unter Radiojod erst nach und nach. Häufig hört man eine ungefähre Angabe von 3 Monaten bis Wirkungseintritt. Daher ist die RJT definitv nicht bei sehr sehr starken Symptomen geeignet, die eine sofortige Ruhigstellung erfordern.

Quarantäne

Du musst mit einem Klinikaufenthalt von etwa 2 bis 6 Tagen rechnen, da Du „nachstrahlst“. Deine Atemluft und deine Ausscheidungen enthalten noch radioaktive Reste, die für die Umwelt nicht so optimal sind. Daher musst Du im Krankenhaus bleiben, bis sich das Problem verflüchtigt hat (mit Besuchern ist’s aus diesem Grund dann übrigens auch eher schlecht – also stell dich auf eine besinnliche Zeit mit Dir allein ein^^).

Schwangerschaft

Bist Du schwanger oder möchtest im Lauf der nächsten Monate schwanger werden? Dann wird eine RJT zumindest in Deutschland nicht möglich sein. Beziehungsweise, es wird dringend davon abgeraten, einfach aufgrund des Restrisikos wegen der Strahlenbelastung1.

Dauerhafte Unterfunktion

Wie bei der OP auch kommt es nach einer RJT in den meisten Fällen zu einer Unterfunktion der Schilddrüse – klar, das aktive Gewebe wurde ja auch zerstört. Dann wird eine lebenslange Einnahme von Hormontabletten nötig, die die Hormone der Schilddrüse ersetzen. Mehr Informationen findest Du in meinem Artikel zur Operation.

… oder zurückkehrende Überfunktion

Es gibt aber auch eine andere Seite der Medaille: Häufig bleibt nach der RJT nämlich auch unzerstörtes Restgewebe zurück. Das hängt mit vielen Faktoren zusammen, zum Beispiel der indivuellen Höhe der Radiojodkonzentration. Da kann es schonmal passieren, dass „unauffälligeres“ Gewebe sich versteckt und später dann seinerseits überaktiv wird. In diesem Fall gibt es entweder eine OP oder es wird eine zweite RJT empfohlen.

Und zu guter Letzt …

… gibt es bei der Behandlung auch eine geringe radioaktive Belastung anderer Organe. Diese ist vergleichbar mit einer Röntgenaufnahme – die Entscheidung liegt natürlich bei Dir, ob Du dies für vertretbar hältst oder nicht.

Krebs als Spätfolge?

Die kurze Antwort lautet: Nein. Kein Krebs als Spätfolge. Zumindest weist darauf die aktuelle Studienlage hin.

Die Spätfolgen der RJT werden seit mittlerweile gut 60 Jahren beobachtet – und es wurden keine schädlichen Nachwirkungen festgestellt.

Früher gab es bei uns in Deutschland wohl mal eine Altersgrenze von etwa 35 bis 40 Jahren, ab der man eine RJT einsetzen konnte. Hintergrund: Man wollte die Jüngeren vor den damals nicht bekannten möglichen Spätfolgen bewahren.

Aufgrund der Studien hat man diese Altersgrenze meines Wissens nach inzwischen gekippt. In den USA werden sogar Kinder mittlerweile völlig selbstverständlich mit Radiojod behandelt. Hierzulande ist man damit aus grundsätzlicher Vorsicht aber noch zurückhaltend.

Bitte beachte: Ich bin keine Ärztin, Heilpraktikerin oder dergleichen, also kein Fachmensch. Alle meine Beiträge basieren auf meinen eigenen Erfahrungswerten und über die Zeit gesammeltem Wissen.

Published inBehandlungFakten und Wissen

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