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Basedow: Hilft der Heilpraktiker?

Nach meinen Beobachtungen gibt es zwei Lager bei uns Basedowlern: Auf der einen Seite diejenigen, die die Alternativmedizin eher als eine Art Hokuspokus und bestenfalls nettes Beiwerk sehen. Auf der anderen Seite jene, die dem Gang zum Heilpraktiker bei Basedow die besten Erfolgschancen zusprechen.

An beiden Enden gibt es natürlich auch extreme Vertreter, die die „gegnerische“ Seite verteufeln und der anderen Sichtweise gar keine Chance geben.

Und dann gibt es natürlich noch die breite Grauzone in den unterschiedlichsten Schattierungen. All jene, die zwischen den Fronten stehen. Die sich fragen, wer denn nun „recht hat“. Menschen, auf die so viele Informationen einprasseln, dass sie gar nicht mehr wissen, was sie denn nun glauben sollen. Und natürlich jene, die sich in der Grauzone bewusst zuhause fühlen, da es für sie kein Schwarz und Weiß gibt.

Genau diese Grauzone ist meine Heimat 🙂

Aber wie ist es denn nun? Gehört der Gang zum Heilpraktiker in die Kategorie „Zeitverschwendung“ oder ist er sinnvoll für dich als Basedowler? Jeder findet seine eigene Wahrheit. Ich erzähle Dir von meiner.

Studien Basedow

Die Studienlage ist positiv bis kontrovers

Nehmen wir als Beispiel die klassische Homöopathie. Sicher hast Du auch schon so einiges von der ewigen Diskussion mitbekommen, ob das Ganze nun eine Heilwirkung hat oder nicht. Studien helfen in dieser Frage nicht viel weiter. Denn es gibt sowohl solche, die die Wirksamkeit belegen, wie auch solche, die das Gegenteil behaupten. So richtig scheint es niemand zu wissen.

Zweites, ebenfalls sehr bekanntes Beispiel: die Akupunktur. Immer mehr Studien bescheinigen die Heilkraft des uralten Verfahrens. Selbst unter Experten wird die Akupunktur zur Behandlung chronischer Schmerzen mittlerweile anerkannt, obgleich sich die Fachwelt da immer eher vorsichtig äußert. Denn auch hier weiß man – wie beispielsweise bei der Homöopathie – nicht wirklich, wie der Wirkmechanismus genau aussieht.

Aber die Akupunktur vermag nicht nur Schmerzen zu behandeln. Sie hilft auch bei Angststörungen und Depressionen, wie beispielsweise diese Studie nachweist.

Auch Qui Gong – wie die Akupunktur ein Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) – gilt als wirksames Mittel der Alternativmedizin. Unter anderem wurde seine Wirksamkeit zur Bekämpfung des Chronischen Erschöpfungssyndroms nachgewiesen.

Oder hast Du schon einmal etwas von der sogenannten Atemtherapie gehört? Laut eines wissenschaftlichen Reviews aus dem Jahr 2017 soll diese einen „direkten psychotherapeutischen Effekt haben“ können. Auch bei Asthma soll die Atemtherapie positive Auswirkungen haben, wobei dieser Artikel noch tiefere Nachforschungen empfiehlt.

Ich könnte noch lange so weitermachen, aber der Punkt wird deutlich: Hinter dem breiten Feld der Alternativmedizin steckt viel mehr als nur „heiße Luft“!

Heilpraktiker Basedow

Der Heilpraktiker sieht den Basedow ganzheitlich

Ich selbst wollte meinem Basedow nicht nur mit der reinen, punktgenauen Schulmedizin begegnen. Stattdessen habe ich ihn von Anfang an als eine ganzheitliche Struktur gesehen. Genau wie die alternative Heilkunde. Denn gerade der Basedow hat ein derart komplexes Geflecht an Auslösern, dass es nahezu unmöglich ist, diese genau zu definieren.

Nicht einmal die Medizin kann bei jedem von uns die genaue Ursache benennen. Wohin ich auch ging, es hieß jedesmal: „Höchstwahrscheinlich eine Kombination aus Stress und Veranlagung“. Oder sowas in der Art.

Stress und Genetik sind auch ziemlich sicher zwei prominente Auslöser des Basedow. Aber wie definierst Du bzw. dein Körper/Geist den Stress?

Was ist für dich positiver, was ist negativer Stress?

Wie viel davon kannst Du ertragen und wie lange?

Warum belasten dich gewisse Situationen?

Gibt es etwas, das dich innerlich auffrisst?

Es ist so individuell und vielschichtig! Viel komplexer als, sagen wir ein gebrochenes Bein oder eine Angina.

Ursachenbekämpfung beim Heilpraktiker

Der Stress gilt nur als ein anerkannter Übeltäter, der seine Finger beim Ausbruch des Basedow im Spiel hat. Wer sind die ganzen anderen Faktoren in der Gleichung?

Daher erschien es mir als zu wenig, meine wildgewordene Schilddrüse mit Medikamenten in die Zwangsjacke zu stecken und einfach abzuwarten. Denn das bekämpfte in meinen Augen zwar die Symptome (und das war absolut wichtig!), nicht aber die Ursachen. Ursachen, die ich in ihrer gesamten Fülle selbst gar nicht kannte. Nur beim Stress und der Überlastung war (und bin) ich mir sicher. Selbst mein Endokrinologe riet mir mit strengem Blick: „Sehen Sie zu, dass Sie Ihr Stresslevel runterfahren.“

Neben Ruhe, Meditation und Yoga suchte ich Rat bei einer Heilpraktikerin, die sich auf Homöopathie spezialisiert hatte. Und weißt Du was? Diese ist gleichzeitig eine „normal“ praktizierende, nach allen Regeln der Schulmedizin ausgebildete Allgemeinärztin.

Schul- und Alternativmedizin schließen sich also nicht gegenseitig aus!

Damals gab mir das einen Vertrauensvorsprung. Denn ich hatte ja auch zwangsläufig von Vermutungen gehört, welche die Homöopathie als Augenwischerei und Hokuspokus darstellten.

Heilpraktiker Basedow

Der Heilpraktiker nimmt sich Zeit

Der Gang zur Heilpraktikerin war eine der besten Entscheidungen für die Behandlung meines Basedow. Ich bin mir aber nicht sicher, was genau geholfen hat. Waren es die Globuli? Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung.

Mindestens genauso wichtig, wenn nicht wichtiger, war ein anderer Aspekt: Die Gespräche. Der Heilpraktiker will dich als Ganzes verstehen, denn der Behandlungsansatz ist ganzheitlich. Dementsprechend nimmt er sich viel Zeit für dich. Jedes einzelne meiner Gespräche mit der Heilpraktikerin dauerte mindestens zwei Stunden. Meistens sogar länger. Sie wusste, welche Fragen sie stellen musste, um meine geistige Verfassung zu kartieren. Daraus hat sie dann abgeleitet, welche Wirkstoffe für mich in Frage kamen. Diese habe ich natürlich fleißig eingenommen.

Mein Ergebnis: Absetzen der Medikamente

Das Ergebnis war verblüffend. Während andere Basedowler ihre Medikamente mindestens ein Jahr nehmen müssen, konnte ich meine bereits nach wenigen Monaten absetzen. Komplett.

Woran lag es genau? An den Globuli? Oder an den langen Gesprächen (die ich in dieser Tiefe eher bei einem Psychologen erwartet hätte)? Oder an den Medikamenten? Vielleicht an der regelmäßigen Meditation und dem Yoga? Oder daran, dass ich meine Alltagsverpflichtungen heruntergefahren habe?

Ich weiß es nicht.

Aber ich kann etwas vermuten! Und zwar, dass es eine Kombination aus allem war.

Fakt ist für mich, ohne die Medikamente aus der Schulmedizin hätte ich anfangs keine Chance gehabt. Ganz ehrlich. Ich habe den „Chemieknüppel“ gebraucht. Es ist, wie wenn man auf einem See unter einer geschlossenen Eisdecke gefangen ist. Ohne ein kleines Loch im Eis findest Du keinen Ansatz. Es ist der Anfang. Mein Luftloch waren die Medikamente – sie haben mich wieder atmen lassen. Aus dem kalten Wasser herauskommen musst Du aber aus eigener Kraft. Und da war der Gang zum Heilpraktiker eine ganz dicke Säule, neben meinen anderen Maßnahmen.

Mein Fazit: Der Gang zum Heilpraktiker ist sinnvoll

Ich halte alternative Heilmethoden – welche auch immer die Beste für dich ist – für eine sinnvolle Methode, den Basedow langfristig zu behandeln. Weil der ganzheitliche Ansatz in meinen Augen die besten Chancen hat, die Ursachen anzugehen. Ursachen, die wir Basedowler in ihrer Gesamtheit häufig gar nicht mal benennen können. Denn unsere Thyreostatika kann bzw. sollte man nicht über einen längeren Zeitraum nehmen. So lautet auch die offizielle Empfehlung!1

Für mich steht jedenfalls schwarz auf weiß: Ich konnte meine Medikamente früher absetzen als jemals gedacht und bin seit mehreren Blutuntersuchungen bei hervorragenden und stabilen Werten. Ob das so bleibt? Ich gehe davon aus. In jedem Fall werde ich hier berichten, wenn sich etwas tut 😉

So, nun werde ich erstmal meine Yogamatte ausrollen. Wir sehen uns am kommenden Mittwoch 🙂

Bitte beachte: Ich bin keine Ärztin, Heilpraktikerin oder dergleichen, also kein Fachmensch. Alle meine Beiträge basieren auf meinen eigenen Erfahrungswerten und über die Zeit gesammeltem Wissen.

1Ich habe mittlerweile von Menschen gehört, die tatsächlich nebenwirkungslos über mehrere Jahre durchgehend Thyreostatika einnehmen, wenn auch in einer sehr geringen Tagesdosis. Meistens, um einer OP zu entgehen. Aber das sind Einzelfälle von denen man letztlich nicht weiß, ob es nicht doch irgendwann unschöne Auswirkungen gibt. Dazu fehlen sämtliche Langzeitstudien!

Published inBehandlungFakten und Wissen

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